Mann auf Couch

Schreibblockaden: So wird man sie wieder los

Die Deadline

Nichts scheint

Wenn

Von Minute zu Minute ticken die Sekundenzeiger der Uhr an der Wand lauter. Der blinkende Cursor auf dem Bildschirm starrt dich an und scheint dich fast zu verhöhnen. Kein Satzanfang will so richtig passen. Aber das Schlimmste: Die Deadline rückt unnachgiebig näher, fast schon wie ein Zug, der auf dich zurast. Du versuchst also immer verzweifelter, die passenden Zeilen zu finden – und es gelingt dir immer weniger. Du steckst mittendrin: in einer Schreibblockade. 

Jeder, der schon einmal unter Druck einen Text verfassen musste – egal ob Hausarbeit, Produktbeschreibung oder Blogtext – oder mit dem Schreiben sogar Geld verdient, kennt das lähmende Gefühl, wenn einfach nichts mehr geht. Während in einem Moment kein Satz gelingen mag, sprudeln wenige Stunden später häufig wieder die Ideen. Ist die Schreibblockade nur von so kurzer Dauer, hat man Glück: Mit einfachen Mitteln kann man dem Hirn und der Kreativität wieder auf die Sprünge helfen. Doch was, wenn der Zustand Tage, Wochen oder gar Monate anhält? Ein Albtraum für alle, die zur schreibenden Zunft gehören. Doch auch dann sollte man die Tastatur nicht in den Sand stecken. Fast immer gibt es eine Lösung für die kreative Antriebslosigkeit.

Kreativität: weniger spontan als gedacht

So schön es auch wäre, Kreativität gibt es nicht auf Knopfdruck und erzwingen lässt sie sich ebenfalls nicht. Allerdings ist es gar nicht so schwer, dem Einfallsreichtum etwas nachzuhelfen. Aber was ist Kreativität eigentlich? Zunächst einmal nichts Besonderes, denn jeder Mensch ist kreativ und erschafft ständig Neues. Wäre Kreativität nur Designern, Künstlern und Textern vorbehalten, käme im Gespräch kein gerader Satz heraus und abends kein schmackhaftes Essen auf den Tisch.

Das Hirn ist den ganzen Tag damit beschäftigt, bereits Gelerntes neu zu kombinieren und mit frischen Impulsen zu verknüpfen. Der sprichwörtliche Geistesblitz ist also gar keiner. Was so spontan wirkt, ist nur eine Weiterentwicklung dessen, was schon fest in uns verankert ist. Suchen wir nach der Lösung für ein Problem, können wir die Gedanken schweifen lassen und darauf hoffen, dass wir spontan zu einem Ergebnis kommen. Genauso oft ist der Weg zum Ziel aber viel geradliniger und rationaler. Wir betrachten ein Problem von allen Seiten, suchen nach Parallelen zu zurückliegenden Herausforderungen und finden den Schlüssel in unseren Erfahrungen. Anstatt uns kontinuierlich mit neuen Reizen zu befassen, vertrauen wir auf unser Wissen. Das ist gut so! Denn ohne dieses „Schubladendenken“ würde unser Hirn vor lauter Reizüberflutung schnell schlapp machen.

Lassen wir unseren Gedanken freien Lauf und nutzen gleichzeitig unsere Erfahrungen, sind wir am erfolgreichsten. Genau das ist wichtig, wenn es darum geht, ins Stocken geratener Kreativität neuen Antrieb zu verleihen –  etwa bei einer Schreibblockade.

Kurze Pause oder Stillstand: So gelingt der Neustart

Wohl nichts ist frustrierender, als wenn die Wörter nicht mehr fließen wollen. Diesen Zustand muss man aber nicht hinnehmen. Mit kleinen Tricks überlistet man das Hirn – und wird wieder kreativ:

Der nötige Abstand

Nach Stunden oder sogar Tagen am selben Text sieht man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Ist der Einstieg gelungen? Die Argumentationskette schlüssig? Das Ende rund? Das zu beurteilen, ist oft schwierig, wenn man so tief im Thema drin steckt. Dann heißt es: Abstand gewinnen! Es kann bereits Wunder wirken, eine längere Pause einzulegen. Ein Spaziergang an der frischen Luft, der wöchentliche Großeinkauf oder zur Lieblingsmusik durch die Wohnung tanzen: Sich gedanklich vom Schreiben zu distanzieren, kann auf unterschiedliche Arten gelingen. Dabei sollte man sich jedoch wirklich vom Computer und der Arbeit lösen. Wer während der kleinen Unterbrechung unentwegt an den unfertigen Text denkt, macht sonst da weiter, wo er aufgehört hat: grübelnd vor dem Rechner.

Trotz kurzer Verschnaufpause will es nicht klappen? Dann ist es Zeit für einen Tapetenwechsel. Ist man ständig von denselben Dingen umgeben, fehlt schnell die Inspiration für Neues. Anstatt weiter am gewohnten Arbeitsplatz um die passenden Worten zu ringen, kann es sinnvoller sein, sich einen neuen Ort zu suchen. Vielleicht sorgt ein temporärer Umzug auf die Terrasse, in das Café um die Ecke oder in die Bibliothek für neue Gedanken. Genauso wertvoll kann es sein, mit Außenstehenden darüber zu reden, wo und warum es hakt. Als Unbeteiligte haben sie noch mehr Abstand zum Text und können gut neue Ideen einbringen.

Weg vom Multitasking

Wer die meiste Zeit am Rechner verbringt, kennt die Gefahren, die dort lauern, nur zu gut: Social Media, die Nachrichten des Tages oder das neuste Katzenvideo auf YouTube sind immer dann besonders spannend, wenn eine Deadline naht. Um sich ganz auf die eigentliche Aufgabe konzentrieren zu können, ist es wichtig, solche Störfaktoren auszuschließen. Am besten funktioniert das, indem man nur das Textverarbeitungsprogramm geöffnet hat. Ist die Recherchearbeit bereits erledigt, kann man das WLAN bedenkenlos ausschalten. Zumindest sollte man sich aber bei Facebook und Co. ausloggen oder die Seiten mit Tools wie Freedom und Self Control für einige Zeit blockieren.

Nicht nur online ist es wichtig, sich eine Auszeit zu nehmen, um sich dem Text widmen zu können. Der Partner oder die Kinder sollten ebenfalls wissen, dass die dreckige Wäsche oder die Rangelei unter Geschwistern auch mal einige Stunden warten muss. Die Arbeit im Homeoffice bedeutet keine unbegrenzte Verfügbarkeit. Hier sollten ebenso feste Arbeitszeiten gelten, an die sich auch das Umfeld hält.

Um nicht zu viel Druck aufzubauen, hilft es, die Arbeitszeiten zunächst in kleinere Einheiten zu unterteilen. Ein guter Anfang sind 25-Minuten-Etappen, auf die Pausen von etwa fünf Minuten folgen. Diese eignen sich gut, um kurz durchzulüften, den Blick in die Ferne schweifen zu lassen oder das Wasserglas neu zu füllen. So verführerisch es auch sein mag: Wer jetzt ziellos im Web surft, hat den Faden fast schon wieder verloren.

Routine ist das halbe Leben

Dass Kreativität zu großen Teilen aus Routine besteht, lässt sich leicht zum eigenen Vorteil nutzen. Das bedeutet nicht, dass man stur seine eigenen Werke abkupfert. Aber es schadet nicht, sich auf das zu besinnen, was schon einmal gut geklappt hat. Bestimmte Stilmittel, Recherchequellen und Arbeitsschritte lassen sich leicht übernehmen. Beim letzten Auftrag hat Brainstorming geholfen? Ran an die Ideenwolke. Ein Blogbeitrag zum Thema hat schon einmal die zündende Idee geliefert? Perfekt!

Auch beim Schreiben selbst ist Übung das A und O. Niemand erwartet, dass der erste Satz oder die erste Textfassung perfekt sein muss. Wichtig ist deshalb nicht immer, was man zu Papier bringt, sondern dass man es tut. Gerade bei einem längeren Textprojekt darf man Mut zur Lücke zeigen und einfach mit dem Schreiben beginnen. Selbst wenn die ersten Zeilen oder Seiten mühsam oder uninspiriert sind, es wird mit jedem Tag leichter. Es hilft deshalb, sich Tagesziele zu setzen, die man auf jeden Fall erfüllt. Das können je nach Erfahrung und Anspruch 300 Wörter, eine Seite oder fünf Seiten sein. Nach kurzer Zeit tritt in der Regel der Gewöhnungseffekt ein und das Hirn spinnt die Ideen fast wie von alleine weiter. Übrigens: Die ersten Worte kann man ruhig noch einmal löschen – wenn genug Zeit bis zur Deadline bleibt, spricht nichts dagegen, die anfänglichen Versuche über den Haufen zu werfen.

Kreativität hat viele Formen         

Es gibt so viele Möglichkeiten, sich kreativ zu betätigen, dass es nicht immer das Schreiben sein muss. Gerade bei einer Schreibblockade kann es hilfreich sein, sich anderweitig auszuleben und der rechten Hirnhälfte etwas Ungewohntes zu bieten. Beim Malen, Töpfern, Nähen oder Singen kann man beispielsweise gut neue Kraft schöpfen. Das Hirn wird angeregt, aber durch die Frustration, die mit der Schreibblockade meist Hand in Hand geht, noch weiter unter Stress gesetzt. So löst sich der Knoten häufig ganz nebenbei.

Will man beim selben Medium bleiben, sollte wenigstens das Thema oder die Gattung des Texts gewechselt werden. Statt des Ratgebers kann es ein lockerer Blogtext über ein beliebiges Thema sein, der Reisetext kann zeitweilig durch ein Gedicht ersetzt werden und das E-Book wird für eine romantische Kurzgeschichte beiseitegelegt. Wichtig ist nur, dass das Schreiben des Texts Spaß macht, eine gedankliche Kurzreise für das Hirn bedeutet und ein Erfolgserlebnis mit sich bringt.

Wir hoffen, dass das Monster Schreibblockade mit unseren Tipps etwas von seiner angsteinflößenden Wirkung verloren hat. Sollte es sich doch einmal zeigen, heißt es: durchatmen, eine Pause einlegen und mit frischem Kopf weitermachen.

Wie man noch mit dem Thema umgehen kann, verraten außerdem unsere Autoren:

Dein Texter, 4 Sterne

„Eine klassische Schreibblockade, bei der gar nichts mehr ging, hat mich in nun 2 Jahren Textbroker als Vollzeitjob noch nicht erwischt. Normalerweise habe ich zu einem Thema auch immer sofort bestimmte Ideen. Sollten diese einmal ausbleiben, gebe ich ein Schlagwort zum Thema bei gutefrage.net ein. Da kommen manchmal einige interessante Hilfen. Generell kann ich empfehlen, nach spätestens 1,5 Stunden Dauertexten eine Pause einzulegen: Bewegung und frische Luft sind hilfreich. Oder zumindest aus dem Fenster in die Ferne zu schauen, nützt ebenfalls etwas – vor allem den Augen. Dies bringt auch Abstand zum Texten und nicht selten fällt mir der Einstieg in einen Text danach leichter.“

Marja, 4 Sterne

 „Hatte ich überhaupt schon mal eine richtige Schreibblockade? Oder nur kurze Aussetzer? Ich lese und schreibe „schon immer“, aber bis jetzt kenne ich dieses Phänomen nur vom Hörensagen. Und trotzdem ...

Mit Faulheit will ich mich nicht rausreden, wenn’s mal nicht läuft; auch nicht mit mangelnder Fantasie. Es ist eher eine zum Glück nur vorübergehende Bremse im Gehirn, als ob ein Kontakt nicht funktioniert. Die Schnittstelle zwischen Kreativität und Pflicht hakt – etwas in der Art. Wird wahrscheinlich durch Stress verursacht. Manchmal seltsamerweise auch durch zu viel Zeit.

Und was mache ich dagegen? – Am liebsten etwas anderes schreiben. Ganz ohne Vorgaben, einfach nur so. Vor allem ohne den „inneren Korrektor“ – das ist ganz wichtig dabei. Der PC ist dafür tabu, stattdessen greife ich zu Stift und Notizbuch.

Vor etwa drei Monaten habe ich das Haiku für mich entdeckt, also das minimalistische Schreiben. Es ist wie eine kleine Fingerübung, ein „Wegdenken“, Pause und Muntermacher gleichzeitig. Gas geben, wenn der Leerlauf eingelegt ist.

Wenn das immer noch nicht reicht: Einen Spaziergang machen oder durch die Stadt bummeln. Meistens löst sich der innere Knoten gerade dann, wenn ich nicht versuche, ihn aufzufummeln!“

Onekles, 4 Sterne

„Seit über fünf Jahren bin ich jetzt bei Textbroker beschäftigt und Schreibblockaden verfolgen mich bis heute. Trotz aller Routine sitze ich immer wieder vor einem leeren Bildschirm und aus irgendeinem Grund wollen die Worte nicht aus mir herauskommen. Dadurch habe ich auch schon so manche Deadline verpasst und damit auch den einen oder anderen Auftrag versiebt.

Ich kenne mich mit den genauen psychologischen Ursachen nicht aus und kann deshalb darüber nur spekulieren. Bei mir zumindest spielen Versagensängste eine große Rolle. Ich zweifle einfach viel zu oft an mir selbst, ob ich bestimmte Projekte wie gewünscht abschließen kann. Selbstbewusstsein ist also auf jeden Fall ein wichtiges Thema. Deshalb kann ich jedem, der auch mit Schreibblockaden zu kämpfen hat, einen Rat mit auf den Weg geben: nur Mut! Es ist sinnvoll, sich immer wieder klar zu machen, dass es eigentlich nichts zu verlieren gibt. Vielleicht fühlt sich ein Schreiberling mit einer bestimmten Aufgabe mal überfordert. Aber wer es gar nicht erst probiert, hat schon verloren. 

Ganz vermeiden lassen sich Schreibblockaden nicht, sie kommen bei den besten Autoren vor und auch große Schriftsteller berichten immer wieder davon. Wer davon mal wieder heimgesucht wird, sollte meiner Ansicht nach erstmal ruhig bleiben und sich das Problem ganz bewusst zur Brust nehmen. Mir hilft es manchmal, eine Runde um den Block zu gehen und frische Luft zu schnappen. An anderen Tagen mache ich auch ganz bewusst eine Pause. Die kann ein paar Stunden dauern oder auch mal einen ganzen Tag. Meinen Auftraggebern gebe ich dann natürlich Bescheid, dass es zu Verzögerungen kommt. Die Zeit nutze ich ganz bewusst zum Entspannen und um meinen Hobbys nachzugehen. Wie gesagt sind das aber keine allgemeingültigen Lösungen und es funktioniert auch bei mir nicht immer. Letztlich sind Schreibblockaden wohl eine sehr persönliche Angelegenheit und jeder muss seinen eigenen Weg finden, um damit zurechtzukommen.“

0 Kommentare
Durchschnitt: 5 (10 Stimmen)

Jeder, der schon einmal unter Druck einen Text verfassen musste – egal ob Hausarbeit, Produktbeschreibung oder Blogtext – oder mit dem Schreiben sogar Geld verdient, kennt das lähmende Gefühl, wenn einfach nichts mehr geht.