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Über Anglizismen: „Ohoh, die Angeln kommen“

Sie sind unter uns! Sie verbreiten sich unaufhaltsam und unterwandern uns. Niemand ist vor ihnen sicher, überall schleichen sie sich ein. Einmal eingefangen, wird man sie nicht mehr los und nur allzu leicht gehen sie uns über die Lippen: Anglizismen! Wie man richtig mit den kleinen Fremdworten umgeht und ob sie eine Gefahr darstellen, lesen Sie in der neuen Textbroker-Academy…

Liebe Textbroker-Autoren,

sie sind unter uns! Sie verbreiten sich unaufhaltsam und unterwandern uns. Niemand ist vor ihnen sicher, überall schleichen sie sich ein. Einmal eingefangen, wird man sie nicht mehr los und nur allzu leicht gehen sie uns über die Lippen: Anglizismen! Wir shoppen, nachdem wir unser neues Image designt haben, aber natürlich nicht, ohne uns richtig zu stylen. Und damit unsere Community auch alles checkt, circeln, twittern und bloggen wir 24/7 (twentyfour-seven). Die deutsche Sprache ist mittlerweile schon sehr alt, seit dem frühen Mittelalter hat sie sich weiterentwickelt, verändert und schon immer wurde sie von anderen Dialekten beeinflusst. Kaum eine andere Sprache aber hat heute so sehr ins deutsche Sprachleben Einzug gehalten wie die englische. Wie Rudi Carrell einmal feststellte:

„Als ich nach Deutschland kam, sprach ich nur Englisch – aber weil die deutsche Sprache inzwischen so viele englische Wörter hat, spreche ich jetzt fließend Deutsch!“

Gerade in der Werbung, in der Wirtschaft und im Verkauf erschlagen die „Sales“, „Shops“ oder der „Service“ den Kunden förmlich, während früher Mama und Papa (oder Oma und Opa) noch zum „Schlussverkauf“ in den „Laden“ gingen, um dort eine „Dienstleistung“ zu erhalten. Die Marketingabteilungen leisten mit ihrem „Neusprech“ ganze Arbeit, um dem Kunden Produkte „up to date“ und „trendy“ darzustellen.

Anglizismus: Freund oder Feind?

Im deutschsprachigen Raum stehen sich Anglizismen-Anhänger und deren Gegner gegenüber. Egal ob in der Presse, unter Wissenschaftlern oder Sprachliebhabern, beide Seiten bringen ihre Argumente für bzw. gegen die eingedeutschten Fremdwörter. Die Gegner sind überzeugt, die deutsche Sprache müsse erhalten und verteidigt werden: „Jeder (schein-)englische Ausdruck kann durch einen angemessenen oder besser passenden deutschen ersetzt werden.“

„Zu eingerostet und alt“, finden hingegen die Befürworter der deutschen Sprache und freuen sich über eine Anpassung an eine globalisierte und internationale Welt, in der Englisch die Weltsprache ist.

Was man von der Existenz und der Anzahl von Anglizismen halten soll, ist Geschmacksache und jedem selbst überlassen. Auch im Textbroker-Team haben wir Anhänger beider Seiten. Beim Schreiben ist deren Einsatz abhängig vom Kontext, in dem sie benutzt werden, sowie von der angesprochenen Zielgruppe und von der Textart. Wenn das englische Wort einfach besser passt oder im Deutschen keine adäquate Übersetzung existiert, lassen sich Anglizismen kaum vermeiden. Fakt ist aber: Wer die deutsch-englischen Ausdrücke gebraucht, sollte sie korrekt schreiben und konjugieren.

Eingedeutschte englische Worte

Viele englischsprachige Ausdrücke haben den Weg in die deutsche Sprache bereits gefunden und wir verwenden sie im täglichen Sprachgebrauch. Oft bemerkt man die Begriffe beim Reden gar nicht mehr, erst, wenn es darum geht, sie zu schreiben, kommt der eine oder andere ins Grübeln: Wie war das nun mit der Endung bei Verben? Und was war noch gleich die Mehrzahl von „Party“?

Die deutsche Rechtschreibung hat sich einen großen Teil der Worte einverleibt und diesen angepasst. Das soll dafür sorgen, dass es dem Schreiber leichter fällt. Hat man allerdings die korrekten englischen Begriffe einmal gelernt, kann es leicht für Verwirrung sorgen, wenn sie plötzlich durch die deutsche Rechtschreibung verändert werden. Deshalb hier noch einmal wichtige Regeln und Wörter in richtiger Schreibweise:

Partys mit den Ladys des Surfers – Nomen

Im Englischunterricht haben wir gelernt, dass das ‚–y‘ am Ende eines Wortes in der Mehrzahl zu ‚–ies‘ wird: Die Party wird zu vielen Parties, die Lady mit ihren Freundinnen sind Ladies. In der deutschen Sprache richten sich diese Worte nach der deutschen Definition der Mehrzahl, in der nur ein einzelnes ‚-s‘ angefügt wird. Die Mehrzahl von Lady ist „Ladys“, die von Party „Partys“.

Auch der Genitiv der Anglizismen ist an die deutsche Sprache angepasst. Beim männlichen Wes-Fall wird das Genitiv-s angefügt, im weiblichen Fall bleibt der Nominativ bestehen.

Der Surfer: Das Brett des Surfers ist verschwunden.

Die Party: Das Ende der Party naht.

Bei der Groß- und Kleinschreibung schreiben wir die Hauptwörter groß, auch wenn dies in der Herkunftssprache des Wortes nicht so vorgesehen ist. Wurde der Begriff bereits „eingedeutscht“ und in den Duden aufgenommen, orientiert man sich an der deutschen Rechtschreibung. Bei den zugehörigen Artikeln ist die Übersetzung des Wortes oft hilfreich: Ist das deutsche Wort männlich, wird dem meist ein männlicher Artikel angefügt, ist die Übersetzung weiblich oder sächlich, folgt daraus meist ein weiblicher bzw. sächlicher Artikel. Im Zweifelsfall hilft ein Blick in den Duden.

Ich maile, du designst – Verben

Offenbar hat es nicht gereicht, viele Nomen in die deutsche Sprache zu übertragen, mittlerweile sind ihnen die zugehörigen Verben gefolgt. Endlich können der Designer, der Manager und der Surfer auch in Germany ihren Tätigkeiten nachgehen.

Bei der Konjugation der Verben kann man sich an den deutschen „Tu-Wörtern“ orientieren. Die Begriffe, die ins Deutsche übernommen wurden, sind auch in ihrer Rechtschreibung angepasst worden. Demnach wird die Grundform mailen wie folgt konjugiert:

Ich maile                                            Wir mailen

Du mailst                                           Ihr mailt

Er/Sie/Es mailt                                  Sie mailen

Die Verben bilden aus dem Wortstamm und der „deutschen“ Endung ihre jeweilige Form. Ebenso verhält es sich unter anderem bei diesen Verben:

shoppen/ihr shoppt, stylen/er stylt, scannen, chatten, canceln, briefen/du briefst, managen/sie managt, launchen, posten, surfen, twittern, bloggen, taggen, scannen, timen, tunen, designen, updaten, recyceln/ich recyc[e]le, promoten, googeln/ich goog[e]le, downloaden, uploaden, upgraden, rebooten

An der Frage, ob einige Verben getrennt geschrieben werden dürfen, somit also auch „ich loade down“ anstelle von „ich downloade“ verwendet werden darf, scheiden sich die Geister. Die aktuelle Version des Dudens sieht dafür jedoch keine Schreibweise vor.

Auch im Perfekt werden die „englischen“ Verben mit der „normalen“ deutschen Konjugation gebildet:

Ich habe gemailt                             Wir haben gemailt

Du hast gemailt                               Ihr habt gemailt

Er/Sie/Es hat gemailt                      Sie haben gemailt

Auch bei den Anglizismen gibt es Ausnahmen. Nicht alle englischen Worte lassen sich so problemlos durchkonjugieren wie die oben genannten. Einige verlieren die geläufige Partizip-II-Anfangssilbe „ge“

                Ich habe designt

                Du hast designt

                Wir haben designt

So auch: recyceln, promoten

…oder verschieben diese.

                Ich habe upgedatet

                Du hast upgedatet

                Wir haben upgedatet

Dazu gehören auch: downloaden, uploaden, upgraden, rebooten

Der Duden sieht derzeit keine getrennte Schreibweise der betroffenen Verben vor.

Bei doppelten Konsonanten bleibt am Ende des Wortstamms in der Regel der zweite Konsonant erhalten: scannen wird demnach zu „ich scanne“, „du scannst“, „er/sie/es scannt“, „ich habe gescannt“ etc.

Der gestylte Sunnyboy – Adjektive

Englische, eingedeutschte Adjektive werden, im Gegensatz zum englischen Sprachgebrauch, im deutschen gebeugt und an das Substantiv angepasst.

                Cool: „A cool car“ => „Ein cooles Auto…”

                Getunt: „with a tuned engine“ => „…mit einem getunten Motor.“

Einige Wörter lassen sich aber auch im Deutschen nur recht schwierig beugen oder steigern.Easy“ etwa ist zwar eingedeutscht, eine „easyere Aufgabe“ jedoch fordert dem Leser schon ein bisschen Kopfakrobatik ab. Eleganter wäre es wohl, diesen Ausdruck zu umgehen („eine Aufgabe, die easy zu erledigen ist“) oder eine Alternative zu finden („eine einfache Aufgabe).

Was denn nun? Anglizismus Ja oder Nein?

Ob ein Anglizismus verwendet werden soll oder nicht, ist erst einmal dem Autor überlassen. Die deutsche Sprache ergänzende Anglizismen sind sinnvoll und unvermeidbar. In der IT-Branche etwa käme man wohl keine zwei Sätze weit, dürfte man sie nicht verwenden. Ersetzende oder verdrängende englische Begriffe können, abhängig von Thema, Nutzen und Leserschaft, einen Text bereichern. Allerdings sollte jeder Texter auf die Lesbarkeit seines Werks achten. Wenn ein englischer Ausdruck nicht richtig zu passen scheint oder dem Leser die Zunge verknotet, ist es besser, man denkt noch einmal über eine (deutsche) Alternative nach.

Übrigens: Wer Angst hat vor einer „Überfremdung“ der deutschen Sprache durch Anglizismen, dem sei als kleiner Trost gesagt, dass der Sprachexport auch andersherum funktioniert. Auch die Amerikaner haben einige Worte aus dem Deutschen übernommen. Amerikanische Kinder gehen in den „kindergarden“, Autofahrer auf dem Highway träumen von „autobahnen“ und der ein oder andere US-Bürger stillt seinen Hunger mit „bratwurst“. Und auch dort wurden die deutschen Worte in die amerikanischen Rechtschreibregeln eingezwängt. Mit „Bratwürsten“ war man dort überfordert, kurzerhand wurden sie deshalb zu „bratwursts“.

Und ein bisschen Neues kann nicht schaden, wenn man bedenkt, dass Marie Freifrau von Ebner-Eschenbach Recht hat, wenn sie sagt:

„Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren unübersetzbaren Worten.“

Schreiben Sie’s gut

Ihre Textmakler-Akademie


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