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Leichte Sprache schreiben: Gestalte deine Texte barrierefrei

Zeitungsartikel, die ersten Ergebnisse der Google-Suche, Wahlprogramme der örtlichen Parteien, Straßenschilder – die meisten Menschen lesen täglich, ohne darüber nachzudenken. Doch nicht alle haben Zugriff zu Texten in Standardsprache. Wer nicht gut genug lesen kann, bleibt im alltäglichen Leben schnell zurück. Mit Texten in Leichter Sprache hilfst du Betroffenen, am gesellschaftlichen Leben selbstbestimmt teilzunehmen. Wir zeigen dir, was du wissen musst, um Leichte Sprache schreiben zu können.

Leichte Sprache schreiben Headerbild: Fünf Menschen halten die Fäuste in einem Gruppen-Fist-bump über einem Tisch mit Schreibutensilien zusammen

Wozu du Leichte Sprache brauchst

 
Doch was ist Leichte Sprache eigentlich? Leichte Sprache ist eine Varietät des Deutschen. Sie ist also keine eigene Sprache, die die Standardsprache verdrängen will, sondern eine Ergänzung. Für Menschen mit geringen Lesefähigkeiten ist sie ein wichtiges Mittel der Inklusion. Dabei geht es nicht darum, dass ein Text schön klingen soll. Viel wichtiger ist es, Informationen in sehr leicht verständlicher Form zu vermitteln. Dazu werden die Texte auf Wort-, Satz- und Textebene, aber auch inhaltlich stark vereinfacht.
 
Texte in Leichter Sprache haben vor allem drei Funktionen:
 

  • Teilhabe: Texte in Leichter Sprache dienen dazu, Barrieren in der schriftlichen Kommunikation abzubauen. Wenn alle Mitglieder einer Gesellschaft Zugang zu allen Informationen haben, können sie ihr Umfeld aktiv mitgestalten.
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  • Lernen: Einem Teil der Zielgruppe kannst du mit Texten in Leichter Sprache helfen, ihre Lesefähigkeiten zu verbessern. Mit der Zeit können sie so auch Texte in der Standardsprache verstehen.
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  • Brückenfunktion: Auch Leser*innen mit guten Deutschkenntnissen stoßen manchmal an ihre Grenzen. Juristische, medizinische oder technische Texte sind für Laien oft kaum zu verstehen. Abschnitte in Leichter Sprache können hier Verständigungsprobleme aus dem Weg räumen.

 
Übrigens: Die Barrierefreiheit durch Texte in Leichter Sprache regeln gesetzliche Grundlagen, unter anderem die UN-Behindertenrechtskonvention und das Behindertengleichstellungsgesetz. Sie sichern Menschen mit Behinderungen den Zugang auf verständliche Informationen. Unter anderem verpflichten sie Bundesbehörden, ihre Onlineauftritte auch in Leichter Sprache und Gebärdensprache zur Verfügung zu stellen. Du kannst dir also die Webseiten der Ministerien zusätzlich in Leichter Sprache ansehen. Doch auch viele nicht-staatliche Seiten bieten ihre Inhalte inzwischen barrierefrei an.

Zielgruppe: Für wen schreibst du?

 
Auch bei Texten in Leichter Sprache ist es essenziell, dass du deine Zielgruppe kennst. Das Besondere: Es gibt nicht nur eine fest definierte Persona, für die du schreibst. Es gibt vorrangig sieben Gruppen von Adressat*innen:
 

  • Personen mit Lernschwierigkeiten: Durch Lernschwierigkeiten wie zum Beispiel Legasthenie fällt es ihnen schwer, lesen zu lernen. Mit Texten in Leichter Sprache kannst du ihnen helfen, Inhalte selbstständig zu verstehen oder ihre Lesefähigkeiten zu verbessern.
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  • Personen mit geistiger Behinderung: Durch eine organische Schädigung des Gehirns können sie auch Texte in Leichter Sprache teilweise nur mit Hilfe Dritter lesen. Leichte Sprache ist für sie ein wichtiges Mittel, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
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  • Demenzkranke: Die Hirnschädigung bringt oft auch Sprach- und Leseschwierigkeiten mit sich. Texte in Standardsprache können an Demenz Erkrankte dann nicht mehr verstehen.
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  • Hörgeschädigte/Gehörlose: Gehörlose sind keine Muttersprachler des Deutschen, schreiben und lesen müssen sie also wie eine Fremdsprache lernen. Schwierigkeiten haben sie unter anderem mit dem Satzbau, weil er in der Gebärdensprache abweicht.
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  • Personen mit Aphasie: Die Sprachstörung beeinflusst das Sprechen, Schreiben, Lesen und Verstehen von Texten. Für sie ist es besonders wichtig, dass Texte inhaltlich leicht verständlich sind.
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  • Analphabeten: Laut einer LEO-Studie von 2018 haben rund 33 % der erwerbsfähigen Deutschen Probleme mit dem Lesen und Schreiben. 12,1 % gelten als funktionelle Analphabeten. Texte in Leichter Sprache können ihnen sowohl bei der Teilhabe als auch beim Lesen Lernen helfen.
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  • Personen mit Deutsch als Zweitsprache: Durch Texte in Leichter Sprache können Deutschlernende schnell am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und ihre Deutschkenntnisse und Lesefähigkeiten verbessern.

 
Alle Adressat*innen haben unterschiedliche Vorerfahrungen mit Sprache und Texten, also auch unterschiedliche Anforderungen an Texte in Leichter Sprache. Innerhalb eines Textes allen Bedarfen zu entsprechen, ist nahezu unmöglich – selbst für professionelle Übersetzer*innen. Wenn du die gängigen Regeln für Leichte Sprache befolgst, hilfst du deiner Zielgruppe jedoch enorm.


Beitragsbild Leichte Sprache schreiben: Nahaufnahme einer Person, die auf einem externen Keyboard auf einem Tablet schreibt

Wie sieht Leichte Sprache eigentlich aus? Ein Beispieltext

 
In Leichter Sprache vereinfachst du Inhalt, Struktur und Sprache stark. Nehmen wir als Beispiel diesen Ausgangstext:
 
Die Herkunft des Namens „Pinguin“ ist nicht abschließend geklärt. Erste Aufzeichnungen der Tiere stammen vom Ende des 15. Jahrhunderts, wobei in diesen eine andere Bezeichnung verwendet wurde. Im Deutschen wurden die drolligen Tierchen noch bis ins 19. Jahrhundert „Fettgans“ genannt.
 
In Leichter Sprache könnte der Text so aussehen:
 
Pinguine wurden vor sehr vielen Jahren gefunden.
Aber früher hießen Pinguine nicht so.
Früher hießen Pinguine Fett·gans.
Warum heißen Pinguine jetzt so?
Das weiß man nicht genau.
 
Nach welchen Kriterien wir den Abschnitt übersetzt haben, erklären wir dir im Folgenden.

Texte in Leichter Sprache schreiben: So geht’s!

 
Texte in Leichte Sprache zu übersetzen, ist keine einfache Aufgabe. Doch mit ein paar Regeln und etwas Übung kannst du deine Texte für alle Leser*innen verständlich machen. In der noch recht jungen Forschung haben sich Netzwerke formiert, die dir mit Regelwerken zur Seite stehen. Die wichtigsten Richtlinien haben wir für dich zusammengefasst.
 
Denke immer daran, deine Texte in korrektem Deutsch zu schreiben. Leichte Sprache ist kein falsches Deutsch, sondern eine vereinfachte Form. Richtiger Satzbau, Rechtschreibung und Grammatik müssen also immer gegeben sein. Fehler in der Sprache führen sonst nur dazu, dass Leser*innen falsche Schreibweisen lernen.

Wortebene: Jedes Wort zählt

 
Wer nicht gut lesen kann, hat meist Probleme mit einzelnen Wörtern. Auch wenn es im Deutschen verlockend ist, möglichst lange Wörter zu bilden, stolpern auch geübte Leser*innen über das Arbeiterunfallversicherungsgesetz oder die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung. Vermeide daher lange Wörter, Fremd- und Fachwörter und ersetze sie durch einfache Synonyme. Statt „erwerben“ schreibst du beispielsweise besser „kaufen“. Falls du sie doch verwendest, musst du komplizierte Wörter leicht verständlich erklären.
 
Zusammengesetzte Wörter wie „Fußballstadion“ sind schwer in ihre einzelnen Bedeutungen zerlegbar. Weil du auch in der Leichten Sprache die deutsche Rechtschreibung befolgen musst, kannst du sie nicht einfach mit Bindestrich trennen. Besser verwendest du den sogenannten Mediopunkt, mit dem du das Wort teilen kannst: Fußball·stadion. Bei Windows gibst du den Mediopunkt mit der Tastenkombination Alt + 0183 ein, bei Mac-Tastaturen mit Alt + Shift + 9.
 
Adressat*innen von Leichter Sprache haben oft Probleme, Textzusammenhänge über einen längeren Zeitraum zu erkennen. Wenn du am Anfang des Textes von „Paul“ schreibst und später mit „er“ auf ihn verweist, ist die Übertragung für sie schwer zu verstehen. Bleibe deshalb dauerhaft bei „Paul“ und vermeide Pronomen. Gleiches gilt für Synonyme. Natürlich möchtest du deine Texte normalerweise so abwechslungsreich wie möglich gestalten, doch bei Texten in Leichter Sprache solltest du immer bei einer Bezeichnung bleiben.
 
Bei Texten in Leichter Sprache musst du immer abwägen, ob ein konkreter Inhalt wichtig für das Verständnis ist. Das fällt vor allem bei Zahlen auf. Hohe Zahlen, Jahreszahlen und Prozentzahlen sind für deine Zielgruppe abstrakt. Besser wählst du Umschreibungen wie „viele Menschen“, „vor langer Zeit“ oder „einige“ und verdeutlichst sie mit einem Vergleich. Bei kleinen Zahlen ist die Ziffer leichter zu lesen als das ausgeschriebene Wort, schreibe also „5 Frauen“ anstatt „fünf Frauen“. Verwende immer arabische Zahlen, keine römischen Zahlen. Auch auf Sonderzeichen solltest du verzichten. Wenn du sie verwenden möchtest, musst du sie erklären.

Satzebene: Mit einfachem Satzbau zu verständlichen Texten

 
Auch auf Satzebene gilt: Schreibe so einfach wie möglich. Nutze dazu kurze Hauptsätze ohne Nebensätze. Wenn du in einem Satz ein Komma gesetzt hast, solltest du ihn überarbeiten. Formuliere für jeden Gedanken einen eigenen Satz und achte auf einen einfachen Satzbau. Die häufigste und einfachste Wortfolge im Deutschen ist Subjekt – Prädikat – Objekt. Statt „Morgen gehen wir ins Kino.“ schreibst du also besser „Wir gehen morgen ins Kino.“
 
Eine Sache, die du in Webtexten vermeiden solltest, darfst du in Texten in Leichter Sprache gerne tun: Sätze mit „und“, „oder“, „aber“, etc. beginnen. Für deine Leser*innen werden Zusammenhänge so klarer. In beiden Textarten kommt ein aktiver Schreibstil besser bei der Zielgruppe an. Passivkonstruktionen und Nominalstil machen nicht nur Webtexte umständlich, sondern sind auch schwerer zu verstehen als aktive Sätze und Verben.
 
Wähle als Zeitform für deinen Text Präsens oder Perfekt. Präteritum und Futur werden seltener gesprochen und sind daher für ungeübte Leser eine Barriere. „Ich bin ins Kino gegangen.“ ist geläufiger als „Ich ging ins Kino.“ Auch Genitiv und Konjunktiv sollten in Leichter Sprache nicht vorkommen. Statt „das Buch des Jungen“ schreibst du besser „das Buch von dem Jungen, „Im Dezember könnte es schneien.“ ersetzt du durch „Im Dezember schneit es vielleicht.“

Textebene: Übersichtlich auf den ersten Blick

 
Bei den meisten Texten erkennst du auf den ersten Blick, worum es sich handelt: Eine Einkaufsliste sieht anders aus als ein Ratgebertext. Texte in Leichter Sprache folgen jedoch immer derselben Struktur, denn auch das Layout hilft der Lesbarkeit. Beginne jeden Satz linksbündig in einer neuen Zeile und verwende eine größere Schrift und einen größeren Zeilenabstand als normalerweise. Auch mit der Schriftart kannst du es deinen Leser*innen einfacher machen: Vermeide sogenannte Serifenschriften wie zum Beispiel Times New Roman. Sie sind für sehr ungeübte Leser*innen schwerer zu lesen, besser eignen sich zum Beispiel Arial oder Calibri.
 
Auch mit Auflockerungen gestaltest du den Text übersichtlicher. Rücke Erklärungen und Beispiele ein und hebe Wichtiges durch Fettungen hervor. Unterstreichungen und kursive Passagen solltest du vermeiden, weil sie schwieriger zu lesen sind. Gliedere den Text mit vielen Absätzen und Zwischenüberschriften. So stellst du sicher, dass deine Leser*innen dem Inhalt folgen können. Dabei helfen auch Bilder, Karten, Piktogramme oder Diagramme auf der rechten Blattseite.
 
Das Ziel von Texten in Leichter Sprache ist es, Informationen für die Adressat*innen verständlich zu machen. Dafür musst du Inhalte ausführlich erklären und mit Beispielen verdeutlichen. Zwangsläufig wird der Text dadurch sehr lang – was die Zielgruppe abschreckt. Entscheide deshalb bei jedem Satz: Ist diese Information entscheidend für das Textverständnis? Lasse Nebeninformationen weg, um den Text so kurz wie möglich zu halten. Stelle Wichtiges immer an den Anfang des Textes und eines Satzes. Auch die Reihenfolge deiner Inhalte kannst du im Vergleich zu deinen Texten in Standardsprache verändern. Springe nicht zwischen den Themen und vermeide Rückbezüge, die deine Leser*innen nicht verstehen können. Auch auf Metaphern und Redewendungen solltest du verzichten, da sie wörtlich verstanden werden können. Schreibe statt „Es schüttet wie aus Eimern.“ deshalb besser „Es regnet stark.“

Fazit: Leichte Sprache als Mittel der Inklusion

 
Was zunächst sehr schwierig und nach vielen Regeln klingt, ist mit etwas Übung eine spannende Aufgabe, die den Texteralltag auflockert. Mit Texten in Leichter Sprache kannst du einen wichtigen Beitrag dazu leisten, dass sich alle Menschen selbstständig informieren, eine Meinung bilden und am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Du trägst dazu bei, dass Barrierefreiheit nicht nur im Zusammenhang mit körperlichen Einschränkungen, sondern auch in der Kommunikation gedacht wird.

Du möchtest mehr über Leichte Sprache wissen?

 
Wenn dich jetzt die Motivation gepackt hat, mit deinen Texten Inklusion zu erleichtern, haben wir ein paar Hilfen für dich gesammelt. Regelwerke findest du unter anderem vom Netzwerk Leichte Sprache. Auch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat einen umfassenden Ratgeber für Leichte Sprache herausgebracht.
 
Falls du es lieber haptisch magst und tief ins Thema einsteigen willst, helfen dir Ursula Bredel und Christiane Maaß weiter. Mit Leichte Sprache. Theoretische Grundlagen – Orientierung für die Praxis und dem Ratgeber Leichte Sprache. Alle wichtigen Regeln – Empfehlungen für die Praxis haben sie im Dudenverlag zwei ausführliche und tiefgehende Bücher geschrieben. Mit ihrem Arbeitsbuch Leichte Sprache. Übungen für die Praxis mit Lösungen kannst du dich zudem direkt selbst ans Werk machen.


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