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Interview: Rechtschreibtipps aus der Dudenredaktion

Dr. Werner Scholze-Stubenrecht, Leiter der Dudenredaktion, spricht im Interview über häufige Stolpersteine bei Rechtschreibung und Grammatik und verrät neue Wörter, die wahrscheinlich bald im Duden zu finden sind.

Inwiefern hilft der Duden Autoren bei der Textprüfung?

 
Neben der Möglichkeit, offene Rechtschreibfragen im gedruckten Wörterbuch nachzuschlagen, gibt es auf www.duden.de auch die Option, Texte bis zu 800 Zeichen korrigieren zu lassen. Und es gibt natürlich die Duden-Sprachberatung, die täglich bis zu 200 Anrufe bekommt und die individuelle Beratung bei sprachlichen Zweifelsfällen bietet.

Welche Vorteile bietet das Duden Rechtschreibprogramm gegenüber der Standardprüfung eines Textprogramms wie Word?

 
Die Duden-Rechtschreibprüfung unterstützt den Nutzer verlässlich und kompetent bei der Korrektur seiner Texte: Das Programm prüft die Schreibung von Wörtern und assistiert mit passenden Korrekturvorschlägen. Darüber hinaus erkennt die Duden-Rechtschreibprüfung auch Grammatikfehler sowie Fehler im Bereich der Getrennt- und Zusammenschreibung und der Groß- und Kleinschreibung. Die Zeichensetzung berichtigt die Software auf der Basis einer intelligenten, satzbezogenen Prüfung.

„Nochmal” oder „noch mal”, „sodass” oder „so dass”, „mithilfe” oder „Mit Hilfe”: Viele Wörter und Wortverbindungen haben es in sich. Sie gehören laut Duden zu den rechtschreiblich schwierigen Wörtern. Wie werden diese ermittelt und wo finden Autoren Hilfe?

 
Über die Duden-Sprachberatung bekommt die Redaktion ein umfassendes Bild darüber, wo die Schreibenden Schwierigkeiten haben. Alle häufig auftretenden Probleme werden seit Jahrzehnten gesammelt und haben sogar zu einem eigenen Dudenband geführt: Duden 9, Richtiges und gutes Deutsch. Hier findet man unter alphabetisch geordneten Stichwörtern schnelle Hilfe bei den Zweifelsfällen des Schreiballtags.

Beispiel „nach Hause” oder „nachhause”: Für viele Begriffe gibt es zwei Schreibweisen, eine vom Duden empfohlene Schreibung und eine alternative Schreibung. Was verbirgt sich dahinter?

 
Seit der Rechtschreibreform gibt es eine viel größere Zahl von zulässigen Schreibvarianten als früher. Der Duden gibt hier eine Empfehlung für alle diejenigen, die in ihren Texten eine einheitliche Schreibung brauchen oder wollen und sich nicht mühsam eine eigene Hausorthografie erarbeiten möchten. Die alternativen Schreibungen sind aber grundsätzlich nicht falsch.

Begriffe wie „Win-win-Situation” gehören zu den Wörtern des 21. Jahrhunderts. Wie kommen solche neuen Wörter in den Duden? Können Sie uns schon neue Wörter für 2014 verraten?

 
Wir werten mit elektronischen Hilfsmitteln große Mengen von Texten aus dem geschriebenen Gegenwartsdeutsch aus, prüfen die Häufigkeit, die Streuung und die zeitliche Beständigkeit von Wörtern und entscheiden dann über die Aufnahme in unsere Wörterbücher. Wie die Wörter in den Duden kommen, haben wir auch auf unserer Website beschrieben. Beispiele für Neuaufnahmen, die voraussichtlich demnächst auf Duden online nachgeschlagen werden können, sind „Abwicklungsbank“, „Hashtag“ und „Selfie“ und vielleicht auch „Schmähgewitter“ und „beratungsresistent“.

Viele Autoren stehen mit der Kommasetzung auf Kriegsfuß. Ein besonders häufiges Problem ist das Komma vor „und” und „oder”. Was sagt der Duden zu Komma vor „und” bzw. Komma vor „oder”?

 
Die Grundregel lautet, dass kein Komma gesetzt wird, wenn eine Verbindung von gleichrangigen Satzteilen vorliegt. Handelt es sich um ganze Sätze, dann kann ein Komma stehen, muss aber nicht. Häufigster Stolperstein sind eingeschobene Textteile, an deren Ende das Komma nicht wegfallen darf, auch wenn es mit „und“ oder „oder“ weitergeht: „Wir hoffen, dass wir Ihnen weiterhelfen konnten, und verbleiben mit freundlichen Grüßen …“

Haben Sie abschließend noch ein paar Tipps für gutes Deutsch?

 
Sich nie allein auf ein automatisches Korrekturprogramm verlassen, die eigenen Texte unbedingt immer ein zweites Mal lesen oder von anderen gegenlesen lassen, bei Änderungen und Korrekturen anschließend prüfen, ob der Zusammenhang noch stimmt – und die Mühe nicht scheuen, sich durch Nachschlagen zu informieren.

 

Dr. Werner Scholze-Stubenrecht ist Leiter der Dudenredaktion. Der studierte Germanist und Anglist ist seit 1975 in der Dudenredaktion tätig.
Seine thematischen Schwerpunkte sind Orthografie, Idiomatik, allgemeine Lexikografie, Sprachberatung, zweisprachige Lexikografie, Bildwörterbücher und Sprachtechnologie.


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