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Existenzgründung: Hartnäckigkeit und das innere Feuer

Liquidität, Strategie, Controlling, Verkauf, Produktqualität: Diese Themen entscheiden häufig über für das Gelingen oder Scheitern von Geschäftsideen. Welche Fragen sich Existenzgründer unbedingt stellen sollen, welche Rolle gute Texte für Unternehmensgründungen spielen und welche Gründer die Nase vorn haben, verrät Dozent und Autor Benjamin Michels im Interview.

Was sollte man bei einer Existenzgründung unbedingt beachten? Wo liegen die häufigsten Hürden? Das verrät Experte Benjamin Michels im Interview.

Sie haben im Alter von 15 Jahren Ihr erstes Unternehmen gegründet. Inzwischen sind es vier. Was sind die wichtigsten Fragen, die sich potenzielle Gründer stellen sollten?

Habe ich da wirklich Lust drauf? Wie viele Entbehrungen bin ich bereit, in Kauf zu nehmen? Meiner Erfahrung nach sind es vor allem Hartnäckigkeit und das innere Feuer, die erfolgreiche Gründungen ausmachen. Wenn ich selbst nicht für mein Projekt brenne, wer sollte es dann tun? Natürlich gibt es noch viele andere wichtige Punkte – vor allem das Thema Geld gehört dazu. Doch wenn weder die Freude am eigenen Projekt noch die eigene Hartnäckigkeit stimmen, braucht man sich um das Geld erst gar keine Gedanken zu machen.

Was sind Ihrer Erfahrung nach die häufigsten Gründe für das Scheitern von Geschäftsideen?

Ganz vorne steht die Liquidität: Die Idee ist gut, sie wird auch gut am Markt angenommen, doch dem Gründer fehlt irgendwann das Geld, um durchzuhalten. Es klingt zunächst so einfach, ich weiß aber aus meiner Erfahrung heraus, dass es das nicht ist: Im Vorfeld muss gut kalkuliert und genug finanzieller Puffer eingeplant werden. Denn in der Regel entwickelt sich das Vorhaben schlechter oder zumindest langsamer als geplant.

An zweiter Stelle steht die Strategie. Viele Gründer machen einfach irgendwie irgendwas zu irgendeinem Zeitpunkt. Sie haben keinen großen Schlachtplan, den sie befolgen. So fehlt ihnen die Möglichkeit, das, was sie erreichen wollten mit dem, was sie erreicht haben, zu vergleichen. Doch dies ist sehr wichtig, denn daraus können wesentliche Rückschlüsse für zukünftige Entscheidungen getroffen werden.

Was uns direkt zum dritten Punkt, dem Controlling führt. Controlling bedeutet: kontrollieren und anpassen. Das heißt, die wichtigen Werte (Marketingerfolge, Umsatz, Kosten, …) zu erfassen, sie auszuwerten und durch eigene Handlungen gezielt und steuernd einzugreifen. Kontrolliere ich mein Marketing nicht, stelle ich vielleicht erst viel zu spät fest, dass ich das Geld auch zum Fenster hätte rauswerfen können. So kann aus einem kleinen Problem ein sehr großer Effekt für die Gründung entstehen – nur, weil ich nicht kontinuierlich kontrolliert habe.

Ein weiterer Punkt, an dem es bei vielen Gründern hapert, ist das Verkaufen. Am Ende geht es darum, das eigene Produkt oder die eigene Dienstleistung zu verkaufen. Viele Gründer trauen sich aber nicht oder legen den Fokus zu wenig darauf, das eigene Unternehmen bei allen Gelegenheiten positiv darzustellen.

Wenn ein Gründer alle bisher genannten Hürden genommen hat, er also über eine gute Strategie verfügt, die er befolgt, das Controlling funktioniert, er verkauft und ausreichend Geld vorhanden ist, geht es im fünften und letzten Punkt um die Qualität des Produkts an sich. Hält das Produkt das, was dem Kunden versprochen wurde? Ich habe genug Existenzgründer an diesem Problem scheitern sehen. Sie hatten die Verkäufe, aber die Kunden zogen, sobald sie das Produkt in der Hand hatten, enttäuscht von dannen. Hier haben diejenigen die Nase vorne, die sich rechtzeitig mit der Qualität auseinandersetzen.

Wo liegen die häufigsten Hürden, die Menschen bei der Existenzgründung begegnen?

Einer der Hauptwiderstände liegt in der Unübersichtlichkeit des Vorhabens. In der Regel kann der Gründer das Projekt in seiner Gänze anfangs überhaupt nicht erfassen. Das wiederum führt zu einer großen Unsicherheit. Ich weiß aus einer Vielzahl an Gesprächen, dass gerade diese Unsicherheit viele Leute mit guten Ideen hemmt, sich an die Umsetzung zu wagen. Aus diesem Grund habe ich meinen Blog „Serial Entrepreneurship“ ins Leben gerufen. In diesem Blog kann der Leser quasi live bei Existenzgründungen zugucken. Ich möchte auf diese Weise dabei helfen, die eigene Angst abzubauen.

Eine der nächsten großen Hürden betrifft pauschal alles, was mit irgendwelchen Ämtern zu tun hat. Allen mir bekannten Gründern ist eines gemein: Niemandem fällt der Kontakt mit dem Amt leicht. Letztlich heißt es auch hier: durchhalten! Denn auch der größte Ärger mit dem Amt geht irgendwann vorbei.

Die letzte Hürde liegt in dem Zustand, der oft kurz vor der Gründung eintritt: es geht nicht los. Es ist alles vorbereitet, es ist alles geklärt, aber trotzdem will es einfach nicht anfangen. Es fehlt der grundlegende Schritt, damit aus einer Unverbindlichkeit eine Verbindlichkeit wird. Hier hilft nur eins: einfach anfangen! Was so simpel klingt, ist meiner Erfahrung nach oft mit einem großen inneren Widerstand verbunden.

Was sind die wichtigsten Phasen der Existenzgründung?

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, wie viele Phasen es gibt. Welche davon wirklich wichtig sind, hängt von der Geschäftsidee ab. Doch man kann sich auf die folgenden Phasen einigen:

  1. Ideenfindung: In dieser Phase spuken einem ganz viele unterschiedliche Ideen im Kopf herum, wie sich das eigene Konzept entwickeln könnte. Es gibt noch keinen klaren roten Faden, der befolgt werden kann. Alles ist noch sehr durcheinander und fängt nur langsam an, sich zu formen.
  2. Vorinformation: Nun werden langsam die Ärmel hochgekrempelt und es geht an die ersten konkreten Arbeiten. Die Gründungswilligen informieren sich darüber, was sie für ihr Vorhaben benötigen. Erste Kontakte mit Lieferanten oder Dienstleistern finden statt.
  3. Planung: In dieser Phase gilt es, eine Strategie zu entwickeln. Was hoch gestochen klingt, bedeutet einfach gesagt nur, sich einen Plan zu machen, wann genau man was tun möchte.
  4. Umsetzung & Anpassung: Die Umsetzung ist genau das – jede Menge Arbeit. Der eigene Plan wird Stück für Stück abgearbeitet. Dabei wird er in der Regel auch immer wieder angepasst.
  5. Tagesgeschäft: Hat sich das eigene Vorhaben langsam etabliert, geht es in das Tagesgeschäft über. Die Gründer befinden sich zwar immer noch in der Existenzgründung, doch es kehrt eine gewisse Routine ein.

Welche Rolle spielen gute Texte für erfolgreiche Unternehmensgründungen?

Das hängt davon ab, um was für eine Geschäftsidee es sich handelt. Grundsätzlich sehe ich gute und fehlerfreie Texte aber als Voraussetzung für so ziemlich jedes Unternehmen – es gibt nur wirklich wenige Ausnahmen. Und besonders für Web-Auftritte gilt: Immer dann, wenn ich mit dem Kunden interagieren will, ihn von meiner Kompetenz überzeugen möchte oder ich mich selbst positiv darstellen will, spielen gute Texte eine entscheidende Rolle. Grob kann man sagen: je besser man wirken möchte, desto besser müssen auch die Texte sein.

Stichwort E-Commerce: Was sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Online-Shops?

Für Onlineshops gelten noch einmal ein paar andere Regeln, als für eine „Standard“-Internetseite. Hier kommt es vor allem auf Usability, visuelle Attraktivität der Produkte und natürlich auf die Produktbeschreibungen an. Der Käufer möchte in der Regel genau erfahren, was er da kauft. Natürlich sind das nicht die einzigen Faktoren, die über Erfolg oder Nichterfolg entscheiden, doch wenn der Existenzgründer in diesen Bereich bereits frühzeitig einen großen Fokus setzt, hat er schon viel geschafft.

Was zeichnet eine gute Produktbeschreibung aus?

Gute Produktbeschreibungen sprechen den Kunden genau in der richtigen Tonalität an. Sie wecken ein Bedürfnis (das sowieso schon vorhanden ist) und ergänzen die Produktbilder optimal. Am besten ist es, wenn sie den potenziellen Kunden auf ganz unterschiedlichen Ebenen abholen. Zum einen sollten sie die notwendigen Sachinformationen bieten, zum anderen sollten sie aber auch gezielt die Emotionen des Kunden wecken – was je nach Produkt sehr schwierig sein kann.

Wann lohnt es sich, Texte outzusourcen, wann sollte man lieber selbst schreiben?

Grundsätzlich sollte hinter den eigenen Texten eine Strategie stehen. Egal, ob Sie selbst schreiben oder ob jemand anderes schreibt: Es muss immer klar sein, was mit den Texten erreicht werden soll und was die Anforderungen an einen Text sind.

Hat man viele Texte in einer kurzen Zeit zu stemmen, sollte man auf jeden Fall über das Outsourcen nachdenken. Doch sollte ein Existenzgründer immer darauf achten, dass auch nur wirkliche Profis schreiben. Nur jemand, der sich in der Materie auskennt, kann einen wirklich guten Artikel verfassen. Hier lohnt es sich, gerade bei vielen Texten, eher etwas mehr zu zahlen und in die Suche eines guten Autors ein wenig Zeit zu investieren.

Sich die Texte schreiben zu lassen, ist vor allem dann interessant, wenn man selbst nicht die notwendige Kontinuität bieten kann, es einfach zeitlich nicht schafft oder von sich selbst weiß, dass das Verfassen von Texten nicht gerade zu den eigenen Stärken zählt. In meinem ersten Unternehmen hatten wir eine Texterin auf 400-€-Basis angestellt. Das würde ich heute nicht mehr so machen. Heute würde ich den Auftrag an externe Texter abgeben. So hat man deutlich mehr Vielfalt im geschriebenen Wort. Und man hat vor allem jedes Mal einen Dienstleister dafür verpflichtet, was deutlich weniger Verwaltungsaufwand und mehr Flexibilität bedeutet.

Jedoch sollte man die wichtigsten Texte meiner Meinung nach am besten selbst schreiben. Oder aber, man sollte sich nur ein Grundgerüst von einem freien Texter schreiben lassen, um dieses dann anzupassen und zu verbessern. Für einige Existenzgründer wird es so deutlich einfacher, zu einem guten Ergebnis zu kommen.

 

Über Benjamin Michels:

Benjamin Michels

Benjamin Michels unterrichtet mit dem Schwerpunkt Projektmanagement, Personalführung und Entrepreneurship als freier Dozent an unterschiedlichen Bildungseinrichtungen und in Unternehmen. Zusätzlich arbeitet er als Unternehmensberater, freier Projektmanager und wurde zum stellvertretenden Direktor am Institut für Qualität im Management an der Berufsakademie für Gesundheits- und Sozialwesen im Saarland berufen.

Neben seiner Leidenschaft als Dozent richtet sich sein Hauptaugenmerk auf die Arbeit als Autor. Von ihm erschienene Werke sind:

  • Existenzgründung – Schritt für Schritt
  • Entrepreneurship – Erfolg durch Scheitern
  • Heartbleed – Wie sicher sind wir wirklich?
  • Onlineshops – Planen. Leiten. Optimieren.

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Kommentare

36421 17. März 2015 - 12:53

Vielen Dank für diesen interssanten Artikel.

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