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Eine gute Reportage schreiben – so geht’s

Im Journalismus unterscheidet man unterschiedliche Textgattungen. In diesem Autoren-Tutorial beschäftigen wir uns mit der Königsdisziplin des Journalismus: der Reportage. Wir geben dir die wichtigsten Tipps, um eine gute Reportage schreiben zu können.

Reportage schreiben Headerbild


Der Begriff Reportage leitet sich vom lateinischen Verb „reportare“ ab, was so viel wie „berichten” oder „melden” bedeutet. Die Reportage ist seit dem Ende des 19. Jahrhunderts eine beliebte Textgattung, die mit Einzug der Massenmedien an Popularität gewann.

Was ist eigentlich eine Reportage?

 
Bei der Reportage handelt es sich um eine Mischform aus Erlebniserzählung und sachlichem Bericht. Reportagen zählen, ebenso wie Kommentare und Berichte, zu den informativen Textsorten. Sie beleuchten ein bestimmtes Thema intensiv von allen Seiten. Dabei veranschaulichen sie einen Sachverhalt anhand von konkreten Beispielen, Schicksalen oder Personen.
 
Der Autor schildert Tatsachen aus seiner Perspektive, allerdings verfasst er eine Reportage nicht als Bericht, sondern als Erzählung. Er untermalt Daten und Fakten also mit seinen Eindrücken und Beobachtungen – aber nicht in wertender oder kommentierender Form. Damit eine Reportage authentisch ist, beschreibt der Autor Details, die eine Situation charakteristisch und einmalig machen.
 
Die besondere Kunst beim Schreiben von Reportagen besteht darin, einen Inhalt oder ein Ereignis so darzustellen, dass die Leser das Gefühl bekommen, sie seien dabei gewesen. Der Autor ist bei dieser Textgattung das Auge des Lesers. Dabei darfst du zwar subjektive Eindrücke in der Reportage verarbeiten, allerdings musst du den Lesern genügend Raum für ein eigenes Urteil lassen.
 
Ziel einer Reportage ist es, den Leser über ein bestimmtes Thema zu informieren und ihn gleichzeitig zu unterhalten.

Was ist der Inhalt einer Reportage?

 
Egal ob Flüchtlingskrise oder Frührente, prinzipiell eignet sich jedes Thema für eine Reportage. Das A und O ist jedoch immer die intensive Beschäftigung mit dem jeweiligen Thema. Die eigenen Eindrücke sowie die gesammelten Daten und Fakten vermittelst du als Autor dabei so lebendig und detailliert wie möglich. Der Leser hat so die Möglichkeit, hinter die Kulissen eines Ereignisses zu sehen und seinen Horizont zu erweitern. Um den Inhalt möglichst authentisch zu gestalten, solltest du versuchen, die Situation stellvertretend für deine Leser mit allen Sinnen wahrzunehmen.

Wie ist die Reportage inhaltlich gegliedert?

 
Grundsätzlich folgt die Reportage keiner strengen Gliederung. Es gibt allerdings einige Punkte, die du als Autor berücksichtigen solltest. Wichtig ist, dass ein roter Faden erkennbar ist, der bei deinen Lesern für einen fortlaufenden Spannungsbogen sorgt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Reihenfolge des Geschilderten chronologisch verlaufen muss. Um den Leser umfassend zu informieren, sollte der Autor im Text auf die sieben W-Fragen eingehen:
 

  • Was (ist geschehen)?
  • Wer (ist beteiligt)?
  • Wo (ist es geschehen)?
  • Wann (ist es geschehen)?
  • Wie (kam es dazu)?
  • Warum (kam es dazu)?
  • Welche Folgen (hat das Geschehene)?

 
Diese Fragen müssen nicht alle gleichzeitig beantwortet werden. Hilfreich ist jedoch, wenn du zu Beginn die ersten drei bis vier W-Fragen beantwortest, um die Leser ins Geschehen einzuführen und neugierig zu machen. Damit sie alle Antworten auf diese Fragen erhalten, ist eine gut durchdachte Struktur wichtig. Deshalb möchten wir dir noch einige Tipps für den Einstieg, den Verlauf und den Schluss einer Reportage an die Hand geben.


Reportage schreiben Beitragsbild 1: Rückenansicht eines Mannes, der gespannt Zeitung liest.

Eine gute Reportage schreiben: der richtige Einstieg

 
Durch einen spannenden Einstieg soll die Neugier des Lesers geweckt werden. Der Autor beschreibt hier beispielsweise eine prägnante Situation, stellt eine provokante These auf oder gibt die zentrale Aussage des Textes wieder. Egal, wie die Einleitung der Reportage gestaltet ist: Sie sollte möglichst szenisch sein. Das heißt, du schreibst möglichst detailgetreu und bildhaft. So holst du die Leser nah an das Geschehen heran und versuchst, bei ihnen ein Bild im Kopf entstehen zu lassen. Damit deine Leser sich mit dem Beschriebenen identifizieren können, ist es sinnvoll, gleich zu Beginn Personen, Orte oder Situationen einzuführen.
 
Schau die diese zwei Beispiel-Einstiege an, mit denen Autoren ihre Reportage szenisch einleiten:
 

Der Wald, der zum Schrecken eines modernen Staates wurde, ist lichtlos und fast undurchdringlich. Wer in ihn hineingerät, glauben viele in Nigeria, finde nie wieder heraus. Es heißt, ein Fluch aus der Vorzeit liege auf ihm. Der Sambisa-Wald ist der Letzte seiner Art.

Die komplette Reportage findest du hier: „Das Leben nach der Hölle“.
 

Schwitzend und leise fluchend, einen steilen Berg hinauf, vorbei an Gestrüpp und Plastikmüll, läuft Kadiatu Lansana einer Seuche hinterher, die sie nicht aufhalten kann.

Zur Reportage: „Wie das Virus in die Welt kam“.
 
Viele Autoren arbeiten beim Einstieg in eine Reportage auch mit dem sogenannten Küchenzuruf. Er bezeichnet einen kurzen und prägnanten Satz, den du genau so deinem Partner in der Küche zurufen könntest, um ihm etwas Relevantes mitzuteilen.

Der Verlauf

 
Im Hauptteil der Reportage widmest du dich dem Kern des Geschehens. Er legt die Hintergründe und Fakten eines Ereignisses oder einer Thematik dar. Um deine Funde zu untermauern, bringst du an dieser Stelle dein gesammeltes Hintergrundwissen sowie Daten und Fakten ein. Außerdem kannst du hier Fachleute oder beteiligte Personen zitieren, die du interviewt hast. Hier bietet es sich an, Antworten auf die W-Fragen „Wie?“, „Warum?“ und „Welche Folgen?“ zu geben.
 
Um den Hauptteil möglichst vielseitig zu gestalten, sorgst du bei der Auswahl der einzelnen Segmente und Szenen am besten für Abwechslung. Das gelingt dir beispielsweise, indem du zwischen verschiedenen Perspektiven der Beteiligten oder Standorten wechselst, um den Text für deine Leser lebendiger zu machen. Zitate machen die Geschehnisse für deine Leser dabei viel greifbarer.
 
Auch geschickt eingesetzte Zeitsprünge oder gegensätzliche Blickwinkel von Personen können in diesem Abschnitt des Artikels für Spannung sorgen. Beschränke dich auf eine kleinere Anzahl an Handlungssträngen und achte darauf, sie am Ende alle anzusprechen und aufzulösen.

Der Schluss

 
Ein guter Schluss bleibt dem Leser im Gedächtnis. Deshalb ist das Ende einer Reportage entscheidend für den Gesamteindruck. Daher sollte es die ganze Geschichte abrunden, etwa durch eine Pointe, oder indem der Autor die Ausgangssituation noch einmal aufgreift und sie aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Die Reportage kann auch mit einem Fazit des Autors oder einem Zukunftsausblick, z. B. durch einen Experten, abgeschlossen werden. Wichtig ist aber vor allem, dass das Ende Wirkung zeigt und bei den Lesern einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Das Fazit bietet dir als Autor auch die Möglichkeit, ein Resümee zu ziehen – solange du dem Leser genügend Raum für ein eigenes Urteil lässt.
 
Ein Beispiel aus dem „Süddeutsche Zeitung“-Magazin für einen Schluss, mit dem der Autor einen Ausblick auf die Zukunft der Beteiligten gibt:
 

Emma wird die Matratze noch bis zum Ende ihres Studiums über den Campus tragen, das wird im kommenden Mai sein – oder bis Paul von der Uni verwiesen wird oder freiwillig geht. Paul will ihr diesen Gefallen aber nicht tun. »Ich habe ein Recht auf diese Ausbildung«, sagt er. Die Aufregung ist noch nicht vorbei.

Zur Reportage: „Nachtschatten“.



Welchen Sprachstil verwende ich in einer guten Reportage?

 
Reportagen leben von ihrer klaren und bildhaften Sprache. Durch ausdrucksstarke Verben und Adjektive wird der Text lebendig und spannend. Gerade detaillierte Beschreibungen der Eindrücke und Beobachtungen des Autors machen eine Reportage einzigartig. Hierbei gilt es, Details nicht nur zu nennen, sondern sie genau zu umschreiben – und zwar so genau, dass die Leser sie in ihren Köpfen vor sich sehen können. Dabei solltest du möglichst viele Sinne deiner Leser ansprechen. Gib also nicht nur deine visuellen Eindrücke weiter, sondern auch je nach Thema auch das, was du fühlst, riechst, hörst oder schmeckst.
 
Ein Beispiel:

Schreib nicht: „Es regnet.“

Schreib stattdessen lieber: „Dicke Tropfen fallen vom dunklen, wolkenverhangenen Himmel.“
 
Um das Geschehene gegenwärtig erscheinen zu lassen, schreibst du Reportagen meist im Präsens. Geht es eher darum, im Verlauf Hintergründe zu beleuchten, eignen sich die Vergangenheitsformen, also das Präteritum oder das Plusquamperfekt. Die eigene Meinung des Autors hat in der Reportage allerdings nichts zu suchen. Denn damit Leser die Möglichkeit haben, sich ein eigenes Urteil über die Geschehnisse zu bilden, solltest du den Text möglichst sachlich und wertfrei verfassen.

Eine gute Reportage schreiben: die wichtigsten Tipps im Überblick

 
Eine Reportage zu schreiben ist keine leichte Aufgabe und erfordert etwas Übung. Im Gegensatz zu anderen Textgattungen versuchst du als Autor, die Leser der Reportage durch die dargestellten Eindrücke und Details an einem Ereignis zu beteiligen. Sie sollen das Gefühl haben, sie wären dabei gewesen. Deshalb gilt: Die genaue und möglichst bildhafte Beschreibung des Geschehens ist wesentlich, um die Reportage ausdrucksvoll und lebendig zu gestalten.
 
Als Autor einer Reportage schaust du stellvertretend für deine Leser durch eine Kameralinse – die Eindrücke, die du sammelst, werden so ganz nah an den Leser herangetragen. So haben sie die Möglichkeit, sich einzufühlen und mit den beschriebenen Situationen und Personen zu identifizieren.
 
Wichtig ist bei der Reportage außerdem, dass nicht der Autor oder dessen Meinung, sondern das Thema und die Handlung im Vordergrund stehen. Die Länge des Textes ist unwichtig: Was zählt, ist die Qualität der Fakten und geschilderten Eindrücke. Du vermittelst deine Eindrücke nur, anstatt sie zu benennen. Dadurch erhalten deine Leser die Möglichkeit, sie selbst zu empfinden und darüber zu urteilen.


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Wir hoffen, die Tipps in diesem Tutorial helfen dir beim Schreiben deiner nächsten Reportage. Du hast schon Erfahrungen in diesem Bereich oder einen ergänzenden Tipp? Dann schreib uns einen Kommentar und diskutiere mit deinen Texterkollegen!


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Kommentare

184135 26. Januar 2016 - 0:11

Danke für die Tipps! Vermutlich meint die Autorin in der vorletzten Zeile des vorletzten Abschnitts "bewerten" – statt wie geschrieben "benennen". Ist aber eher marginal. Eine Reportage sollte auch visuelle Dokumente und Eindrücke – zB Fotos – bewußt mit einbeziehen. Und – wie immer: Die Überschrift ist die halbe Miete… 🙂

Herzliche Grüße! VH

Antworten

Lennard Thyske 30. Dezember 2018 - 15:19

Mir haben diese Tipps sehr gut geholfen .
Dank der Beispiele kann ich mich in der Reportage eleganter ausdrücken, was meinem Deutschlehrer gefallen wird

Antworten

Jörg Plath 24. Mai 2020 - 10:41

Mir ist der Text zu schwammig und nichtssagend. Konkrete Hinweise und Tipps sehen anders aus. Wie erreicht man eine szenische Darstellung? Wie geht man dramaturgisch vor? Leider geht die Fachliteratur genauso unkonkret an dieses Thema heran.

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