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5 Strategien für einen aktiven Sprachstil

Aktive Sprache ist lebendig, konkret und angenehm zu lesen. In dieser Academy schauen wir einmal genauer hin: Was heißt das eigentlich, aktiv?

Das Passiv kann durchaus manchmal sinnvoll sein, es lässt sich aber auch ad absurdum führen: „Guttenberg-Passiv“ taufte Linguistik-Professor Martin Haase die Art, sich richtiggehend hinter dem Passiv zu verstecken: „In seiner Stellungnahme zu den Plagiatsvorwürfen hatte er [Guttenberg, d. Red.] sich immer zu rechtfertigen versucht mit Formulierungen wie ‚es wurde zu keiner Zeit bewusst getäuscht‘ oder ‚zu keiner Zeit bewusst nicht kenntlich gemacht‘.” Dabei handle es sich um Verben, die einen Akteur brauchen: „Das führt die deutsche Sprache wirklich an ihre Grenzen, und man findet auch sonst keine ähnlichen Beispiele, diese Passiv-Konstruktionen sind ein Original von Guttenberg.“ (Lesen Sie hier das ganze Interview mit Haase: http://www.taz.de/!5077143/).

Aktiv zu sein bedeutet, etwas selbst auszuführen. Das Passiv dagegen ist die „Leideform“: Nur der „Erleidende“ kommt vor, der (aktive) Urheber der Handlung bleibt hingegen verborgen.  Ein Passivsatz verschluckt also einen Akteur:

  • Aktiv
   Theo streichelte den Hund.
  • Passiv
   Der Hund wurde gestreichelt.

Aktive Sprache – lebendiger Stil

Sätze im Passiv sind für Leser schwer zu verarbeiten: Die Konstruktionen mit Hilfsverben sind meist länger – und deutlich komplexer. Der Leser muss sich das verschwundene Subjekt erst wieder herdenken. Statt „Es gibt Maßnahmen, damit die Täter von uns gefunden werden“ besser „Wir suchen die Täter“. Oder warum so kompliziert? Besser „Wir reinigen Ihr Auto“ statt „Das Auto wird durch uns gereinigt“. Karl-Theodor zu Guttenberg sprach bei seiner Doktorarbeit von „gravierenden handwerklichen Fehlern“ – das kann uns mit den folgenden Tipps nicht passieren. In der Kürze liegt die Würze – jede gestrichene Silbe ist ein Gewinn!

Strategien gegen Passivkonstruktionen

Die einfachste und dürftigste Variante ist, das Passiv durch unpersönliche Pronomen wie ‚man‘ oder ‚jemand‘ zu umgehen.

  • Aktiv
   Der Schüler nimmt den Korb.
  • Passiv
   Der Korb wird genommen.
  • Alternative
   Jemand nimmt den Korb.

Schöner ist es, nach einer eleganteren Form zu suchen. „Sich lassen“ + Infinitiv wäre eine Möglichkeit. Wir zeigen, wie es geht:

  • Aktiv
   Der Arbeiter kann die Banane nicht schälen.
  • Passiv
   Die Banane kann nicht geschält werden.
  • Alternative
   Die Banane lässt sich nicht schälen.

Eine weitere Alternative ist, mit der Endung ‚-lich‘ oder ‚-bar‘ ein Adjektiv zu bilden:

  • Aktiv
   Der ältere Herr kann die Pflegemaske sehr gut anwenden.
  • Passiv
   Die Pflegemaske kann sehr gut angewendet werden.
  • Alternative
   Die Pflegemaske ist sehr gut anwendbar.

 Auch mit sein + zu + Infinitiv lässt sich ein Passiv ausspielen:

  • Aktiv
   Der Händler will die Vase nicht verkaufen.
  • Passiv
   Die Vase wird nicht verkauft.
  • Alternative
   Die Vase ist nicht zu verkaufen.

Möglich ist auch, durch ‚bekommen‘ oder ‚kriegen‘ und Partizip II eine Passivkonstruktion zu ersetzen:

  • Aktiv
   Die Ärztin erklärt dem Patienten das Gerät.
  • Passiv
   Dem Patienten wird die Infusion verabreicht.
  • Alternative
   Der Patient bekommt die Infusion verabreicht.

Das Passiv ist kein Tabu in hochwertigen Texten. Ob eine Passivkonstruktion sinnvoll ist, sollte jedoch immer wohlbedacht sein – um die für den Leser angenehmste Struktur zu finden.

Versuchen Sie sich doch einmal an diesen Beispielen und machen Sie schöne, aktive Sätze daraus:

„Der Gast wurde von den duftenden Speisen angelockt, ein Tisch wurde durch ihn besetzt und der Kellner wurde von ihm gerufen, damit ein Gericht bestellt werden könnte.“ 

„Bei der Prüfung, die heute durchgeführt wurde, konnten nur zwei Teilnehmer mit „bestanden“ bewertet werden.“

„Ohne dass das durch die Leitung vorher mitgeteilt wurde, sind mehrere Händler durch diese von der Versammlung ausgeschlossen worden.“

Können Sie das besser? Die Lösungen finden Sie weiter unten.

In diesem Sinne: Lassen Sie Ihre Leser nicht passiv leiden, sondern erfreuen Sie mit einfachen Konstruktionen und einer lebendigen Sprache. Wir wünschen weiterhin viel Erfolg!

 

 

 

 

Lösungen:

Die duftenden Speisen lockten den Gast an, der sich daraufhin setzte und den Kellner rief, um zu bestellen.

Die heutige Prüfung bestanden nur zwei Teilnehmer.

Ohne Ankündigung schloss die Leitung mehrere Händler von der Versammlung aus.

 


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Kommentare

3523 19. März 2014 - 9:22

Selbst in Sprachen, deren Grammatik das Passiv nur ohne Nennung des Handelnden erlaubt, dringt diese Sprachform immer stärker ein – im Lettischen schließen die Autoren die eigentlich nicht zulässige Agens-Nennung durch die Präposition no an.

Antworten

181169 20. März 2014 - 1:30

Dies mag in vielen Fällen bei zu kompliziertem Sachverhalt und tiefverschachtelten Texten eine rnErleichterung für den Leser sein, kann aber andrerseits auch zu Fehlinterpretationen, Unklarheiten oder rngar Falschbewertungen führen, was dann auch schwerwiegende Folgen haben könnte. Übersetzer und rnDolmetscher für Fremdsprachen wissen auch ein „Lied davon zu singen“! Die deutsche Sprache ist selbst rnfür Deutsche schon ziemlich schwer zu begreifen, aber sie hat im Gegensatz zu vielen anderen rnFremdsprachen unglaublich viele Möglichkeiten, sich punktuell genau und präzise so darzustellen, daß rnder Sachverhalt so beschrieben sein soll, wie er auch genau gemeint war.

Antworten

48531 20. März 2014 - 3:10

Der Text ist toll, aber die hellgraue Schrift macht ihn unleserlich. Warum nicht Schwarz? Liebe Grüße, Mary_M

Antworten

175442 20. März 2014 - 16:16

Kann mich dem nur anschließen!!!!

Antworten

86200 20. März 2014 - 18:03

Ist Passiv Ihrer/Eurer Meinung nach komplett „tabu“? Vor allem in längere Texte baue ich öfters 1-2 Sätze im Passiv ein, damit sich der Text abwechslungsreicher liest. Mh…. !? rn

Antworten

183991 20. März 2014 - 19:38

Aktiv vs. Passiv ist keine reine Stilentscheidung! Wenn ich z.B. im oben genannten Beispiel aus einem besonderen Grund betonen möchte, dass der Kellner (und nicht z.B. der Koch gerufen wurde), verwende ich den Passiv. Soll der Fokus auf den Handlungen des Gastes liegen, dann gebrauche ich die Aktivform. rnrnAnstatt pauschal dafür zu plädieren, den Passiv zu vermeiden, wäre ich viel eher für einen bewussteren Umgang mit den beiden Formen.

Antworten

188121 24. März 2014 - 12:06

Passivkonstruktionen im Übermaß sind sicher von Übel, die aktive Formulierung sollte die bevorzugte Konstruktion sein. Aber am besten ist Abwechslung.

Antworten

43362 2. April 2014 - 11:05

Ich habe den Text richtig verstanden und bin selbst der Meinung, dass wir viel zu oft mit den „Passivkonstruktionen“ gelangweilt werden. Sie lesen sich wie Ausführungen einer Behörde oder die Klageschriften eines Anwaltes. Wenn wir die Leser interessieren wollen, ist es nötig aktiver zu schreiben. Das die passive Form dabei trotzdem ihren berechtigten Platz in unseren Texten behält, ist damit nicht ausgeschlossen.

Antworten

210483 10. Januar 2016 - 12:55

Die Beispiele finde ich etwas fragwürdig. Die Information, der Passiv würde ein Akteuer schlucken, macht keinen Sinn.

Wie wäre es denn mit: Der Hund wird von Tom gestreichelt?

Die Aussage des Textes ist deutlich und wahr aber die Beispiel sind schlecht gewählt. Die Beispiele für den Aktiv haben ja auch nicht den selben Inhalt.

Beim letzten Beispiel würde ich auch eindeutig den Passiv vorziehen. Die Alternative vielleicht wenn ich für Kinder schreibe.

  • Passiv
   Dem Patienten wird die Infusion verabreicht.
  • Alternative
   

Der Patient bekommt die Infusion verabreicht.

Antworten

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