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Sprechns des auch?

Heute gibt die Academy ausnahmsweise keine Tipps zur besseren Schreibe, sondern beleuchtet ein Spezialgebiet der Sprachwissenschaft. Es folgt eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache – in all ihren Variationen. Die Sprache der Dichter und Denker bietet mit ihrem riesigen Wortschatz nicht nur eine große Präzision. Mit ihrer enormen Vielfalt an Dialekten transportiert sie auch viele verschiedene Ausdrücke und regionale Eindrücke.
Die Begriffe Dialekt und Mundart unterscheiden sich nicht in ihrer Bedeutung. Nur weil die Nationalsozialisten den Begriff Dialekt als „undeutsch“ empfanden, ersetzten sie ihn durch Mundart. Heute ist Dialekt aber der verbreitetere Begriff, sowohl wissenschaftlich als auch umgangssprachlich.

Lieber Textbroker-Autor, 

 
heute gibt die Academy ausnahmsweise keine Tipps zur besseren Schreibe, sondern beleuchtet ein Spezialgebiet der Sprachwissenschaft. Es folgt eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache – in all ihren Variationen. Die Sprache der Dichter und Denker bietet mit ihrem riesigen Wortschatz nicht nur eine große Präzision. Mit ihrer enormen Vielfalt an Dialekten transportiert sie auch viele verschiedene Ausdrücke und regionale Eindrücke. 
 
Die Begriffe Dialekt und Mundart unterscheiden sich nicht in ihrer Bedeutung. Nur weil die Nationalsozialisten den Begriff Dialekt als „undeutsch“ empfanden, ersetzten sie ihn durch Mundart. Heute ist Dialekt aber der verbreitetere Begriff, sowohl wissenschaftlich als auch umgangssprachlich.
 
 
In der Geschichte der deutschen Sprache gab es zwei Lautverschiebungen, anhand derer man eine Dialektgrenze quer durch das Land und von Nord nach Süd ziehen kann.
 
Die erste (germanische) Lautverschiebung fand um 500 v. Chr. statt. Hier änderten sich viele Konsonanten wie P zu V/F bei Pater zu Vater, Vadder, father oder K zu H wie in Kardia zu Herz, heart. Viele Wörter änderten sich auch von G zu K, von D zu T, von B zu P.
 
Die zweite (hochdeutsche) Lautverschiebung begann etwa 500 n. Chr. und war ein langfristiger Prozess, der aus den südlichen westgermanischen Sprachen das uns überlieferte Althochdeutsche formte. Von dieser Einführung des Hochdeutschen grenzten sich viele Dialekte ab. Die sogenannte Benrather Linie zeigt geographisch, wo sich die Lautverschiebung durchsetzt, und wo nicht. Auch hier änderten sich viele Konsonanten (T zu Z: Tied zu Zeit, P zu PF: Peper zu Pfeffer…), aber auch Vokale: ee zu ei: Steen zu Stein, oo zu au: ook zu auch. Man erkennt genau, wer auch heute noch wat und dat, statt was und das sagt.
 
Wie viele Mundarten es im Deutschen nun genau gibt, ist fraglich, da sich eine Abgrenzung zweier sehr ähnlich lautender Dialekte oft schwierig, wenn nicht gar unmöglich gestaltet. Innerhalb Deutschlands zählt man aber 16 Dialektverbände: Alemannisch, Bayerisch, Obersächsisch, Ostfränkisch, Rheinfränkisch, Westfälisch, Ostwestfälisch, Moselfränkisch, Brandenburgisch und Nordniederdeutsch. Diese wiederum erfahren keine scharfe geographische Abgrenzung, sondern bilden Übergangsgebiete aus.
 
Dabei machen die Dialekte nicht an der Landesgrenze Halt. Auch der niederländische, belgische, österreichische und schweizerische Sprachraum basiert auf der germanischen Sprachgrundlage. Der friesische Dialekt ist dem holländischen beispielsweise viel näher, als der eines Bayern. Unabhängig ist die Verbreitung eines Dialekts hingegen von Bildungsniveau oder sozialer Schicht.
 
So kam es also dazu, dass ganz viele verschiedene Dialekte im Deutschen gesprochen werden, wir aber immer dieselben Regeln fürs Schriftliche anwenden. Und aus diesen Gründen sprechen unsere Omas aus dem Westerwald, unsere Väter aus dem Rheinland oder unsere Großonkel aus Bayern trotzdem immer noch ein für viele unverständliches Kauderwelsch. Wir sind der Meinung, dass diese enorme Vielfalt an Sprachfarben nicht aussterben darf und legen mal los:
  • Der aa sääd su, der anner su. – eleganter Weg, um friedliebend aus einer Diskussion auszusteigen: der eine sagt so, der andere so.
  • Mer waas net, wufier t goud woar. – Man weiß nicht, wofür es gut war.
  • Tranfunzel – lahmer, trödelnder Mensch
  • En Biebsche in en Ammei sain su pienzisch, mer kann et goar net glaawe. – „Biebchen und Ammei“ sind zwei jammernde, wehleidige und übertrieben reagierende Wesen, so arg, dass man es nicht glauben kann.
  • Pissmeggesjer – Ameisen
  • damelisch – benommen oder schwindelig
  • Sitzt n Wermsche mitm Schermsche unnerm Ärmsche uffm Termsche. Kommt n Stermsche werft et Wermsche mitm Schermsche unnerm Ärmsche vom Termsche… – Sitz ein Wurm mit einem Schirm unter dem Arm auf einem Turm. Kommt ein Sturm und wirft den Wurm mit dem Schirm unter dem Arm vom Turm.
  • An sechan schmarrn hobe scho lang nimma gseng. – So was blödes habe ich schon lange nicht mehr gesehen.
  • Einfach leeve un leeve loße – einfach leben und leben lassen
  • denn m'r sitze he all em selve Boot. – denn wir sitzen alle im selben Boot.
  • Nit nur nemme – och jünne künne, – Nicht nur nehmen – auch gönnen können,
  • dann köm keiner von uns he je ze koot! – dann kommt keiner von uns je zu kurz!
 
Na, haben Sie erahnen können, was die hochdeutsche Bedeutung ist? Wir freuen uns riesig über Ihren Dialekt! Teilen Sie doch Ihre Lösungen und ein paar Sätze Ihres Dialekts mit uns im Autorenforum und auf Facebook www.facebook.com/textbroker.de.
 
 
Servus und wiederschaun,
 
Ihre Textbroker Academy

 


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