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Guter Content für die Schweiz – Tipps für deutsche Autoren

Das schreibt man doch nicht mit "ß"! Stimmt besonders häufig, wenn der Text Menschen in der Schweiz ansprechen soll. Da gibt es diesen Buchstaben gar nicht. Das ist aber längst nicht der einzige Unterschied zwischen diesen beiden im Geschriebenen doch sehr ähnlichen Sprachen. Der Auftraggeber Daniel Houghton weiß, wie groß die Differenzen zwischen Schweizer Deutsch und Deutschland-Deutsch wirklich sind und gibt Autoren hilfreiche Tipps, die sie mit seinem kulturellen Exkurs ganz sicher verstehen und beherzigen, wenn es wieder einmal heißt: "Schreiben Sie einen informativen Text für ein Schweizer Portal."

Als Mitinhaber der Schweizer Online Marketing Agentur eTaktiker bin ich ständig auf guten und bezahlbaren Content angewiesen. Seit knapp zwei Jahren zähle ich dabei auch auf Texte von Textbroker. Guter Content ist für die Schweiz genauso wichtig wie für Deutschland. Jedoch ist mir aufgefallen, dass viele deutsche Autoren Mühe haben, Texte für die Schweiz zu erstellen, die auch als echte Schweizer Texte „durchgehen“. In den folgenden Zeilen werden kurz die Unterschiede und Besonderheiten der Schweizer Mentalität und der schweizerischen Schriftsprache erklärt.

Deutsch in der Schweiz

Die Deutschschweizer (das sind ca. 5 Millionen der insgesamt 8 Millionen Einwohner) sprechen untereinander grundsätzlich „Schwyzerdütsch“ (Schweizerdeutsch). Zu Beginn ist diese Sprache für viele Deutsche kaum verständlich. Je weiter südlich man sich in Deutschland auf Schweizerdeutsch unterhält, desto grösser [hier haben wir gleich das bekannteste Beispiel für richtige Schreibweisen in der Schweiz] ist die Wahrscheinlichkeit, verstanden zu werden. Schweizerdeutsch unterscheidet sich nicht nur in der Aussprache, sondern auch in der Grammatik, Rechtschreibung und Wortwahl von der deutschen Standardsprache, welche in der Schweiz oft „Hochdeutsch“ oder „Schriftdeutsch“ genannt wird. Die gesprochene Sprache hat natürlich auch auf die schriftliche Welt Auswirkungen. Ich möchte an dieser Stelle nicht mit zu vielen Details über Schwyzerdütsch langweilen, der Wikipedia-Artikel fasst dies gut zusammen. Wer sich ein Bild über ganz alltägliche Unterschiede der Wortwahl machen will, der bekommt davon bei Hallo Schweiz (von deutschen Einwanderern geschrieben) einen guten Eindruck.

Die wichtigsten Tipps zur Wortwahl und Formulierung für die Schweiz:

  • Es gibt in der mündlichen Sprache kein Präteritum oder Plusquamperfekt. Als Vergangenheitsform wird immer Perfekt verwendet. „Geschter bin ech z’Bärn gsi.“ Heisst übersetzt „Gestern war ich in Bern“. Schweizer verwenden in der Schriftform daher seltener als Deutsche die erwähnten Vergangenheitsformen. Während das Präteritum noch weit verbreitet ist, wirken Texte voller Plusquamperfekt-Formen nicht sehr schweizerisch. Um ganz ehrlich zu sein, mir als Schweizer ist diese Vergangenheitsform etwas fremd und ich bin mir jeweils sehr unsicher, wann ich diese einzusetzen habe.
  • Es wird kein Futur verwendet, in der Schriftsprache dagegen schon. Diese Zeitform kann deshalb uneingeschränkt in Texten verwendet werden
  • Schweizer verwenden für viele Begriffe komplett andere Worte. Einige Hinweise:
    • Urlaub wird als Wort grundsätzlich nie verwendet. Schreiben Sie von Ferien. Man hat Ferien oder geht in die Ferien. Man macht nicht oder fährt nicht in den Urlaub. Das Gleiche gilt auch für den Ferien-machenden „Urlauber“.
    • Schweizer verwenden oft französische Ausdrücke, auch in der Schriftsprache. So ist ein Waschbecken z.B. ein „Lavabo“ oder eine Fahrkarte ist ein „Billet“. Das Wort „Fahrrad“ wird ebenfalls kaum verwendet, wir nennen dieses Gefährt „Velo“. Wikipedia dient als gute Quelle betreffend der Wortwahl.
    • Abkürzungen wie PKW oder LKW sind zwar bekannt, aber werden von Schweizern fast nie verwendet. Diese Fahrzeuge nennt man bei uns beim Namen, also Auto oder Lastwagen. Gebrauchtwagen sind bei uns „Occasionen“, da drückt wieder die Nähe zur französischen Sprache durch. Sollten Sie Abkürzungen für Schweizer Texte verwenden, so stellen Sie sicher, dass diese auch in der Schweiz gebräuchlich sind.
    • Seien Sie grundsätzlich vorsichtig bei der Nennung von Institutionen. Der TÜV oder Stiftung Warentest (In der Schweiz „Stiftung für Konsumentenschutz“) sind zwar vom Namen her bekannt, existieren hier aber nicht.
  • Stellen Sie beim Schreiben sicher, dass Sie die Einwohner von Orten richtig bezeichnen. So werden Menschen, die in Zürich wohnen, nicht als Züricher, sondern als Zürcher bezeichnet. Personen aus der Stadt in der Ostschweiz sind St. Galler und keine St. Gallener.
  • Bitte beachten Sie auch die unterschiedlichen Schreibeweisen in der Schweiz.
    • Der häufigste Fehler ist das Verwenden des scharfen S (ß). Kommt in einem Text einer Schweizer Webseite ein ß vor, so stammt der Text garantiert nicht von einem Schweizer Autor.
    • Viele Fremdworte, welche mit der neuen deutschen Rechtschreibung geändert wurden, werden in der Schweiz nach wie vor in der ursprünglichen Version verwendet. Zwei Beispiele sind z.B. Spaghetti (Spagetti) oder Portemonnaie (Portmonee). In Deutschland darf man sich für eine Schreibweise entscheiden. In der Schweiz wäre die neue Version falsch.
    • Die Währung in der Schweiz ist der Schweizer Franken. Als Währungszeichen gilt SFr. oder Fr., es ist aber auch üblich, das ISO-Zeichen CHF zu verwenden. Die Preisunterschiede zu Deutschland sind je nach Dienstleistung oder Produkt teilweise erstaunlich. Verzichten Sie – wenn Sie unsicher sind – lieber auf das Nennen von Preisen.
    • Die Schweiz verwendet ein anderes Zahlenformat als Deutschland. Bei der Währung ist das Dezimaltrennzeichen der Punkt und das Tausendertrennzeichen der Apostroph. So werden bei uns 1.315,45 CHF so geschrieben: 1‘314.45 CHF.

Mentalitätsunterschiede der Schweizer und Auswirkungen auf gute Texte

Die Liste wäre sehr lang, müsste man beim Texten auch das Umgehen mit Kunden und Partnern einfliessen lassen. Da es meiner Erfahrung nach beim Content von Textbroker oft um Produkt- oder Dienstleistungsbeschreibungen geht, gebe ich nur zu diesem Aspekt einige Tipps:

  • Geiz ist in der Schweiz nicht annähernd so geil wie in Deutschland. Die Kunden legen Wert auf Qualität und sind bereit – wie wohl keine andere Nation der Welt – dafür auch tief in die Tasche zu greifen. Dies gilt vor allem für grössere Investitionen wie z.B. die Ferien (Urlaub) oder Autos. Das bedeutet natürlich nicht, dass Herr und Frau Schweizer die Preise nicht vergleichen, sobald sie sich für ein Produkt entschieden haben. Mit reisserischen Aussagen hinsichtlich des Preises sollte man sich bei Schweizer Texten jedoch zurückhalten.
  • Schweizer „verkaufen“ sich weniger gut als Deutsche. Man ist, was das Anpreisen der eigenen Dienstleistung anbelangt, zurückhaltend und realistisch. Der Kunde kann sich in der Regel auch auf die Aussagen verlassen. Unrealistische Übertreibungen kommen daher weder beim Leser noch beim Auftraggeber Ihres Textes gut an.
  • Schweizer sind bei Trends und Neuigkeiten zurückhaltender als die Deutschen. Nur weil etwas trendig ist, wird es noch lange nicht gekauft. Bei neuen Trends und Produkten ist das objektive Beschreiben des Mehrwerts des neuen Produkts oder Trends viel wichtiger als die Tatsache, dass etwas „trendig“ oder „neu“ ist.
  • Schweizer finden es gar nicht lustig, wenn man sie als langsam hinstellt. 🙂

Ein kleines Fazit und ein grosses Dankeschön

Natürlich ist es unmöglich, in wenigen Worten alle Nuancen der schweizerischen Sprache und Mentalität zu durchleuchten. Ich hoffe aber, dieser Artikel gibt Ihnen als Textbroker-Autoren etwas Einblick und Sicherheit bei den nächsten Texten, die Sie für die Schweiz schreiben. Es mag sein, dass Sie dafür die eine oder andere zusätzliche Minute investieren müssen. Aber Sie können davon ausgehen, dass Schweizer Auftraggeber sich bewusst sind, dass deutsche Autoren nicht alle Details der Schweizer Sprache kennen können und deshalb auch mal ein Auge zudrücken. Das eine oder andere Wort des Texts „verschweizert“ man gerne selbst, wenn der Text gut ist.

Zum Schluss möchte ich noch ein grosses Dankeschön aussprechen. Und zwar an die Autoren, die sich trotz meinen langen, helvetischen Auftragsbeschreibungen gewagt haben, Texte für die Schweiz zu schreiben. Bisher war ich mit der überwältigenden Mehrheit der gelieferten Texte sehr zufrieden und hoffe, dass in Zukunft noch viele weitere Autoren mithelfen, tollen Content für die Schweiz zu erstellen.

Autor: Daniel Houghton, folgt dem e-taktiker-Blog auch auf Facebook und Twitter


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Kommentare

165545 16. Oktober 2013 - 11:00

Ich finde den Text super! Da auch ich Schweizerin bin und mir aus der Seele geschrieben wurde. Jetzt weiss ich auch, dass nicht immer alles falsch ist was ich schreibe….. und … ein Text von einem Deutschen oder Schweizer geschrieben merkt man gleich raus!  Grüsse Ursula Bieri / Schweiz

Antworten

48531 23. September 2014 - 20:42

Herzlichen Dank für die Einführung !

LG, Mary_M

Antworten

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