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Sicher durch den Gesetzesdschungel der Selbstständigkeit: Freiberuflichkeit, Gewerbeanmeldung und Co.

Als selbstständiger Autor können Sie entweder von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen oder ein Gewerbe für Ihre Tätigkeit anmelden. Wir erklären im Beitrag, worauf Sie achten müssen.

Aktenordner auf Tisch

Auch als selbstständiger Einzelunternehmer haben Sie immer einen Partner im Boot: Der Fiskus ist stets dabei. Damit auch dieser „Partner“ über Ihre Aktivitäten informiert ist, müssen Sie ein Gewerbe anmelden – allerdings nur dann, wenn Sie tatsächlich gewerblich tätig sind. Alternativ ist zu prüfen, ob Ihre Dienstleistung als freiberufliche Tätigkeit zu bewerten ist. Ob und wann das eine oder das andere der Fall ist, ist eine der grundlegenden Fragen des Unternehmertums. Um gewisse Vorteile zu nutzen und sich Ärger zu ersparen, sollten Sie wissen, wo Sie stehen. Wir zeigen Ihnen deshalb, was zu beachten ist.

Wer muss ein Gewerbe anmelden?

Das Maß der Dinge ist § 14 der Gewerbeordnung. Wenn Sie den „selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes“ beginnen, müssen Sie dies der zuständigen Behörde anzeigen und eine Gewerbeanmeldung tätigen. Sie brauchen nur dann keine Gewerbeanmeldung vorzunehmen, wenn Sie freiberuflich tätig sind. Freiberufler genießen steuerlich einen Sonderstatus. Daraus ergibt sich in der Praxis die Frage, wer gewerblich und wer freiberuflich tätig ist. Die Begriffe „Selbstständiger“, „Freelancer“ und „Einzelunternehmer“ beschreiben Dienstleistungen aus unterschiedlicher Sichtweise und meinen im Ergebnis meist das Gleiche. Sind Sie selbstständig tätig, sind Sie auch Freelancer und Einzelunternehmer. Sind Sie Einzelunternehmer, sind Sie meist Gewerbetreibender. Selbst Freiberufler sind Einzelunternehmer, auch wenn diese Bezeichnung eher ungebräuchlich ist.

Möchten Sie sich selbstständig machen, melden Sie bestenfalls nicht sofort ein Gewerbe an. Denn mit der Gewerbeanmeldung stellen Sie die Weichen für Ihre steuerliche Zukunft. Sehen Sie sich selbst als Gewerbetreibender, wird es später schwierig, nachträglich als Freiberufler anerkannt zu werden. Sie müssen also vorher prüfen, ob Ihre Dienstleistung als freiberufliche Tätigkeit eingeordnet werden kann oder nicht. Um sich selbst einzuschätzen, sollten Sie sich an den Grundsätzen orientieren, nach denen die Rechtsprechung die Grenzen zieht. Diese Grenzen können Sie selbst am besten nachvollziehen, wenn Sie sich vergegenwärtigen, wovon Gesetzgeber und Rechtsprechung ausgehen und beispielhaft an typischen Fällen Maß nehmen.

Was ist der Unterschied zwischen Gewerbetreibenden und Freiberuflern?

Die Unterscheidung zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden stammt aus längst vergangenen Zeiten, als die Berufswelt noch sehr viel einfacher strukturiert war. Ärzte und Rechtsanwälte waren typische Freiberufler, während der produzierende Unternehmer als Gewerbetreibender galt. Der Gesetzgeber versucht mit der Beschreibung von sogenannten Katalogberufen in § 18 des Einkommensteuergesetzes eine Richtschnur vorzugeben. Wenn Sie einen der dort genannten Katalogberufe betreiben, sind Sie automatisch Freiberufler. Es kommt also sehr genau darauf an, was Sie tun. Die Abgrenzung, ob Sie freiberuflich oder gewerblich arbeiten, ist daher aus der Sichtweise des § 18 EstG vorzunehmen. Als Gewerbetreibender müssen Sie Ihre Tätigkeit zunächst beim Gewerbeamt anmelden. Das Gewerbeamt informiert das Finanzamt. Von dort erhalten Sie ein mehrseitiges Formular, in dem das Finanzamt Ihre unternehmerische Situation abfragt. Freiberufler, die sich nicht beim Gewerbeamt anmelden müssen, melden sich von sich aus beim Finanzamt und erhalten ebenfalls den Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Auch hier werden die Grundlagen für die steuerlichen Rahmenbedingungen fixiert. Sie müssen also genau wissen, wo Sie sich einordnen.

Wann bin ich freiberuflich tätig?

Wenn Sie einen der Katalogberufe ausüben, sind Sie automatisch freiberuflich tätig. Dies trifft etwa auf Rechtsanwälte, Ärzte, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Buchprüfer zu. Auch Journalisten, Bildberichterstatter, Dolmetscher und Übersetzer sind als Katalogberufe benannt. Aber auch dann, wenn Ihre Dienstleistung nicht in den Katalogberufen bezeichnet ist, können Sie Freiberufler sein, sofern Ihre Dienstleistung der eines Katalogberufes ähnlich ist. Voraussetzung dafür ist, dass Sie selbstständig wissenschaftlich, künstlerisch, schriftstellerisch, unterrichtend oder erzieherisch tätig sind. Wesentliches Merkmal der freiberuflichen Tätigkeit ist die unmittelbare, persönliche und individuelle Arbeitsleistung. Pauschale Einschätzungen sind nicht möglich, es kommt immer auf den Einzelfall an. Im Regelfall verfügen Freiberufler über eine akademische oder vergleichbare besondere berufliche Qualifikation oder schöpferische Begabung, so dass die persönliche, eigenverantwortliche, nicht weisungsgebundene und fachlich unabhängige Dienstleistung im Vordergrund steht. Oft besteht außerdem ein besonderes Vertrauensverhältnis zum Auftraggeber.

Beispiele für freiberufliche/gewerbliche Tätigkeiten

Arbeiten Sie als Autor, sind Sie zweifelsfrei freiberuflich tätig. Auch die Tätigkeit von Beratern wird teils als freiberuflich anerkannt, wenn sie wissenschaftlich, künstlerisch oder schriftstellerisch tätig sind. Für einen Werbeberater hatte der BGH (Der Betrieb 1960, 900) etwa die Freiberuflichkeit anerkannt, während er sie für einen Promotionsberater verneint hatte (BGH VIII R 74/05) – die Grenzen sind also fließend. Auch der EDV-Berater wurde nicht als Freiberufler anerkannt. Gleiches gilt für Vermögensberater, Immobilienmakler oder Bausparkassenvertreter. Der Betreiber eines Fitnessstudios ist ebenfalls gewerblich tätig. Auch in einem Fall, in dem ein Berater als freier und selbstständiger Mitarbeiter für Kosten, Erlösplanung, Controlling, Personalplanung, Marketing, Standortbeurteilung für die Eröffnung neuer Filialen und die Auswahl von Führungskräften beratend tätig war, verneinte die Rechtsprechung die freiberufliche Tätigkeit und qualifizierte die Dienstleistung als selbstständige Tätigkeit (Bundesfinanzhof NJW 2004, 463).

Bieten Sie im Internet „digitale“ Dienste an, kommt es darauf an, was Sie genau anbieten. Je individueller und eigenständiger Sie sich darstellen und dafür eine qualifizierte Ausbildung benötigen, desto mehr fällt Ihre Tätigkeit in den freiberuflichen Bereich.

Praxistipp

Es ist Ihre Aufgabe, diejenigen Aspekte vorzutragen, die für eine freiberufliche Tätigkeit sprechen. Wenn also das Finanzamt der Auffassung sein sollte, dass Sie gewerblich tätig sind, müssen Sie argumentieren, warum aus Ihrer Sicht die freiberuflichen Aspekte überwiegen. Haben Sie Ihre Einkünfte in der Einkommensteuererklärung als Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit deklariert, müssen Sie damit rechnen, dass das Finanzamt im Zweifelsfall eine Außenprüfung in Ihrem Büro durchführt und Ihre Geschäftsunterlagen einsieht.

Welche Vorteile und Nachteile hat eine Gewerbeanmeldung?

Ist Ihre Dienstleistung nicht als freiberufliche Tätigkeit zu qualifizieren, führt an der Gewerbemeldung kein Weg vorbei. Vorteile ergeben sich daraus nicht. Vor allem dann, wenn Ihre Tätigkeit einer besonderen Überwachung oder Genehmigung unterliegt, müssen Sie sowieso ein Gewerbe anmelden. Details finden Sie in §§ 30 ff der Gewerbeordnung. Genehmigungsbedürftige Tätigkeiten üben Makler, Anlageberater, Bauträger und Versicherungsvermittler aus.

Die Konsequenz der gewerblichen Tätigkeit ist die Gewerbesteuerpflicht: Ihre Einnahmen unterliegen der Gewerbesteuer. Ein Trostpflaster besteht darin, dass Ihnen auf Ihren Gewinn ein Freibetrag von 24.500 € zugestanden wird. Vor allem kommt es darauf an, in welcher Gemeinde Sie Ihr Gewerbe betreiben. Gemeinden erheben sogenannte Hebesätze, die sie weitgehend autonom festlegen. Die gebräuchlichen Hebesätze liegen zwischen 200 % und 650 %. Daraus ergibt sich dann die Gewerbesteuer, die die Gemeinde per Steuerbescheid festsetzt und im Wege vierteljährlicher Vorauszahlungen einfordert. Sie dürfen Ihren Gewinn per Einnahmenüberschussrechnung ermitteln, wenn der Jahresumsatz 500.000 € nicht übersteigt und der Jahresgewinn nicht höher als 50.000 € ist.

Welche Vorteile und Nachteile hat die freiberufliche Tätigkeit?

Der entscheidende Vorteil der freiberuflichen Tätigkeit besteht darin, dass Sie für Ihre Einkünfte keine Gewerbesteuer zahlen müssen. Außerdem wird Ihnen die Buchhaltung leichter gemacht. Gewerbetreibende müssen schon ab einem bestimmten Gewinn eine Bilanz erstellen. Freiberufler entscheiden dagegen selbst bei hohen Gewinnen frei, ob sie eine Bilanz erstellen oder sich nur auf die Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) beschränken. Die Einnahmenüberschussrechnung ist wesentlich einfacher und kostengünstiger und kann ohne Steuerberater erstellt werden.

Einen weiteren Vorteil beschert Freiberuflern das Umsatzsteuerrecht. Als Freiberufler dürfen Sie, egal wie hoch Ihr Jahresumsatz ist, sich für die sogenannte Ist-Besteuerung entscheiden. Bei der Ist-Besteuerung wird die Umsatzsteuer für Ihre Umsätze erst fällig, wenn Ihr Kunde zahlt. Gewerbetreibende, die der Soll-Besteuerung unterliegen, müssen die Umsatzsteuer bereits dann an den Fiskus abführen, wenn sie die Rechnung erstellt haben, ohne dass es darauf ankommt, wann der Kunde zahlt.

Nutzen Sie die Kleinunternehmerregelung!

Sind Sie Gewerbetreibender oder Freiberufler, können Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen (§ 19 UstG). Sie ersparen sich damit einen erheblichen bürokratischen Aufwand. Kleinunternehmer sind Sie dann, wenn Ihr Jahresumsatz zuzüglich der darauf entfallenden Umsatzsteuer im vorangegangenen Kalenderjahr höchstens 17.500 € (Bruttoumsatz) betragen hat und Sie im laufenden Kalenderjahr aller Voraussicht nach maximal 50.000 € verdienen werden. In diesem Fall brauchen Sie keine Umsatzsteuervoranmeldung vorzunehmen.

Der Vorteil besteht darin, dass Sie in Ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen müssen. Sie können außerdem den bürokratischen Aufwand reduzieren, wenn Sie die Kleinunternehmerregelung nutzen.

Der Nachteil ist wiederum, dass Sie für die von Ihnen selbst an Dritte bezahlten Rechnungen nicht die Vorsteuern geltend machen können. In der Existenzgründungsphase, in der Sie möglicherweise hohe Investitionskosten mit hohen Vorsteuern haben, könnte es daher durchaus vorteilhaft sein, wenn Sie auf die Kleinunternehmerregelung verzichten und die Vorsteuer geltend machen.

Praktische Steuertipps

Als Gewerbetreibender und Freiberufler sind Sie, wenn Sie nicht die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, umsatzsteuerpflichtig. Wie oft Sie die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben müssen, richtet sich nach der Höhe der eingenommenen Umsatzsteuer. Beträgt die Umsatzsteuer im Vorjahr nicht mehr als 1.000 €, genügt die Abgabe einer Umsatzsteuerjahreserklärung. Ist die Umsatzsteuer im Vorjahr nicht höher als 7.500 €, brauchen Sie nur vierteljährlich eine Umsatzsteuervoranmeldung abzugeben. Umsatzsteuerbeträge über 7.500 € verpflichten jedoch zur Abgabe einer monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung.

Das gleiche Schicksal tragen Sie als Existenzgründer in den ersten beiden Jahren Ihrer Unternehmensgründung: Sie müssen auch in diesem Fall monatlich die Umsatzsteuer anmelden (§ 18 Abs.II S. 4 UstG). Nutzen Sie dazu möglichst die Vorsteuerberechnung nach Durchschnittssätzen. Viele Unternehmer dürfen nämlich anstelle der tatsächlichen Vorsteuer mit Durchschnittssätzen abrechnen. Sind Sie freiberuflich als Journalist oder als Autor tätig, beläuft sich Ihre Vorsteuerpauschale auf 4,8 % Ihres Nettoumsatzes. Details stehen in § 70 der Umsatzsteuer-Durchführungsverordnung (UStDV).

Auch die Betriebskostenpauschale bringt Vorteile. So dürfen Sie als hauptberuflich selbstständig arbeitender Journalist oder Autor 30 % Ihrer Betriebseinnahmen pauschal als Betriebsausgaben absetzen, maximal 2.455 € im Jahr. Nur dann, wenn Ihre Betriebsausgaben über diesem Betrag liegen, sollten Sie sich die Mühe machen und die Ausgaben einzeln abrechnen.

Fazit

Sie sehen: Es spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle, ob Sie gewerblich oder freiberuflich einzuordnen sind. Teils haben Sie es selbst in der Hand. Im Regelfall dürfte die freiberufliche Tätigkeit vorteilhafter sein, denn Freiberufler arbeiten weniger bürokratisch. Egal, was bei Ihnen zutrifft: Zumindest aus steuerlicher Sicht ergeben sich eine Reihe von Ansatzpunkten, in guter Manier mit dem Fiskus zusammenzuarbeiten.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit dieser Übersicht dabei helfen konnten, die für Sie passende Regelung zu finden. Der Beitrag ersetzt jedoch keine Beratung beim Finanzamt oder Steuerberater. Wenden Sie sich deshalb mit Fragen zu Ihrem Fall bitte an die entsprechende Stelle. Da sich Freibeträge und Gesetze ändern können, übernehmen wir keine Gewähr für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Angaben.

 

Über den Autor

Jurist VB besitzt langjährige Erfahrung als Anwalt und Geschäftsführer einer GmbH und kennt „Freud und Leid“ selbstständiger Tätigkeit somit aus erster Hand.


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