Skip to main content

Serie „Wie schreibe ich ein Buch?“ Teil 4: Die besten Tipps für historische Romane

In unserer Serie „Wie schreibe ich ein Buch?” fragen wir Buchautoren regelmäßig nach den besten Tipps für das Bücherschreiben. In Teil 4 geht es um Romane, die vor historischer Kulisse spielen.

In unserer Serie „Wie schreibe ich ein Buch?” fragen wir Buchautoren regelmäßig nach den besten Tipps für das Bücherschreiben. In Teil 4 geht es um Romane, die vor historischer Kulisse spielen.

Unsere Autorin writemanu arbeitet als Schriftdolmetscherin für Hörgeschädigte und Trainerin mit Schwerpunkt Senioren, Persönlichkeitsbildung, Gesundheitsmanagement und Resilienz. Sie lebt in Wien, doch ihr Faible für den historischen Roman führt sie quer durch Europa. Sie veröffentlicht historische Romane, Fantasy und Jugendbücher.

Du schreibst nicht nur bei Textbroker, sondern hast auch inzwischen mehrere Romane veröffentlicht: Wie bist du dazu gekommen, ein Buch zu schreiben?

Meine Leidenschaft für das Schreiben entstammt meiner Leidenschaft, überhaupt Bücher zu lesen. Schon von Kindheit an wuchs meine Bibliothek und das hat sich bis heute nicht geändert. Nach der Geburt meiner ersten Tochter schrieb ich erste Bilderbuchtexte und blieb dem Schreiben dann ernsthafter treu. Bis zur ersten richtigen Verlagsveröffentlichung vergingen noch ein paar Jahre. Es gab Ausflüge in Richtung Groschenroman, Drehbücher oder Songtexte, aber wirklich am Herzen liegt mir nach wie vor die Belletristik. Es klingt zwar dramatisch, wenn ich sage, nicht schreiben bedeutet für mich nicht leben, aber im Endeffekt habe ich nach düsteren Phasen gemerkt, dass ich wirklich nicht ohne das Schreiben kann. Aktuell ist es eine große Herausforderung,  die Selbstständigkeit mit allen anderen Prioritäten in meinem Leben und dem Schreiben unter einen Hut zu bringen.

Du hast eine Vorliebe für historische Romane: Woher nimmst du die Ideen für deine Bücher?

Bei „Nebel über dem Canal Grande“ war es eine kurze Schlagzeile gewesen, die auf den Edikt mit der Verbannung der Glasbläser auf Murano hingewiesen hat. Sowas lacht mich geradezu an und weckt sofort etwas in meinem Autorenherz. Es ist viel schwerer, Herrin all meiner Ideen zu bleiben als sie zu finden, ehrlich gesagt. Allein die eindrucksvollen Schauplätze machen es mir leicht, eine Geschichte mit Fakten zu verknüpfen, die geschichtlich wie touristisch gleichermaßen interessant sind. Venedig und Florenz zum Beispiel sind Orte, die jeden Reisenden einfach in den Bann ziehen. „Die Schreiberin des Dogen“ verdanke ich dem Umstand, dass mir der Palazzo Ducale und insbesondere die Schreibkammer so gut gefielen, dass mir in Verbindung mit dem Schrecken der Inquisition die nächste Geschichte einfiel.

Wie beginnst du mit einem neuen Buch?

Wenn ich eine neue Idee habe, dann entwickle ich ziemlich rasch das unbändige Bedürfnis, erste Gedanken und Emotionen niederzuschreiben. Bevor noch das Exposé, also der Rundumblick der Geschichte und ihrer Figuren steht, schreibe ich erste mögliche Seiten des späteren Manuskripts nieder. Dann geht es an die Recherche, aber auch an erste grobe Entwürfe des Romans. Wobei ich eine mittlerweile bekennende Bauchschreiberin bin. Ich wehre mich oft gegen das bedingungslose Festhalten meines Treatments, wenn es die Figuren anders im Sinn haben oder der Flow mich in eine andere Richtung treibt. Viele meiner Kolleginnen und Kollegen recherchieren vorher lange und ausgiebig. Abhängig von meiner Verfassung und dem Projekt selbst passiert das bei mir oft zeitgleich oder abwechselnd. Einerseits treibt mich die Idee an, aber wenn man nicht weiß, wie die Figuren zu dieser Zeit denn gelebt, gearbeitet, ja sogar gefühlt haben, fehlt es an empathischer Substanz.  Ich liebe es, mir Gegenstände, alte Karten oder ähnliches zu kaufen und das auch sichtbar auf dem Schreibtisch aufzustellen. Erstens schafft das eine ganz andere Atmosphäre beim Schreiben selbst, es  motiviert und erinnert mich auch an inspirierende Stunden in Museen, in alten Stadtvierteln und an vertiefende Gespräche mit Menschen auf meinen Reisen.

Andere Zeit, andere Kultur, andere Sprache: Wenn ich ein Buch schreibe, das vor historischer Kulisse spielt, worauf muss ich achten? Wo liegen die besonderen Herausforderungen?

Die Gratwanderung beginnt bereits bei mir und meinen zukünftigen Lesern. Ich bin Autorin aus Leidenschaft, aber keine studierte Historikerin. Obwohl ich mich mühe, penibel zu recherchieren, biege ich, wenn es meine Geschichte verlangt, gern manche Ereignisse. Ich ignoriere sie nicht oder verändere Daten, mitnichten, aber schon der besseren Lesbarkeit und heutigen Logik zuliebe möchte ich eine berührende und unterhaltende Geschichte erzählen. Ich schreibe kein Sachbuch. Wenn dann eine Kritik diesbezüglich kommt oder mir tatsächlich ein Fehler unterläuft, ist das bitter und tut mir selbst am meisten weh. Ich möchte ja niemanden vor den Kopf stoßen oder verärgern, aber ich bin kein wandelndes Lexikon noch verspreche ich hundert Prozent wissenschaftlich basierte Fakten und Historie. Intensive Recherche erfordert viel Zeit, manche Städte bieten ein unüberschaubares Feld an Möglichkeiten. Da fragt man sich oft, wo fange ich an und wo grenze ich mich ein?

Wie recherchiere ich am besten für einen historischen Roman?

Zuerst ist es wichtig, sich einen Überblick zu verschaffen, über den Tellerrand zu blicken. Dann geht man tiefer: Wie sah das soziale, gesellschaftliche Umfeld aus, in dem ich die Geschichte einbette? Ein wichtiger Punkt sind natürlich die Kleidung, Sprache der Charaktere, aber auch die örtlichen Gegebenheiten anno 1492. Je detailreicher die Szene vor dem Leser entsteht, desto unmittelbarer und erfolgreicher ist das Leseerlebnis. Für viele Leser ist besonders der historische Hintergrund interessant, nicht unbedingt nur die Geschichte selbst. Aus dem Mittelalter oder der Renaissance zu lesen, unmittelbar dabei zu sein und zu erfahren, wie die Figuren möglicherweise tatsächlich gelebt haben und was sie vor dem geschichtlichen Abriss erleiden oder zu erobern hatten – das ist das Herz des historischen Romans und der besondere Reiz, einen solchen zu schreiben.

Kannst du zum Schluss noch ein paar Tipps geben, worauf man beim Buchschreiben auf jeden Fall achten sollte?

Egal ob man Bauchschreiber oder Planschreiber ist: Man sollte sich im Vorfeld Gedanken machen, ob man dafür seine Zeit opfern will und warum. Wer nur mal so anfängt ein Buch zu schreiben, wird möglicherweise mittendrin scheitern, weil er nicht weiß, wie oder warum er es beenden soll. Wer für Kritik offen ist, sollte das Manuskript durchaus seinem näheren Umfeld aushändigen, sich aber auch in den diversen Foren oder Plattformen im Internet oder in einem Workshop an der VHS Gleichgesinnte suchen. Deren Feedback mag dann vielleicht weniger sanft ausfallen, aber nur so lernt man dazu. Glaubt an eure Ideen und seid mit Herzblut dabei. Kein Buch entsteht binnen kurzer Zeit, aber je mehr Seiten auf dem Tisch liegen, desto leichter folgen die nächsten Seiten. Setzt euch mit dem ersten Rohmanuskript kritisch auseinander, lasst es für einige Zeit ruhen und überarbeitet es nach unterschiedlichen Schwerpunkten: Figurenzeichnung, Handlungsbögen, Grammatik oder die Dialoge.

Jeder muss seinen eigenen Weg finden, indem er sich ausprobiert, Feedback anzunehmen lernt und weiter schreibt! Das Wichtigste: Bleibt euch selbst treu beim Schreiben, denn nicht jeder Trend macht glücklich und erfüllt die Vorstellungen tatsächlich.  Schreiben ist erfüllend und oftmals auch frustrierend. Aber kennt ihr einen besseren Job, um sich vielseitig zu erproben und neue Länder, Kulturen und Veränderungen zumindest schreiberisch am eigenen Leib zu erfahren? Viel Erfolg!


Ähnliche Beiträge


Keine Kommentare vorhanden


Du hast eine Frage oder eine Meinung zum Artikel? Teile sie mit uns!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*
*

Managed-Service

Sie wollen komplette Textprojekte auslagern und hochwertige Qualitätstexte erhalten? Sie interessieren sich für weitere Content-Services wie etwa Suchmaschinenoptimierung nach WDF*IDF oder die Verwaltung Ihres Blogs? Dann lernen Sie unseren Managed-Service kennen und profitieren Sie von unserem Rundum-Sorglos-Paket.

Unverbindliches Angebot anfordern!

Self-Service

Sie benötigen aktuellen Text-Content? Im Self-Service können Sie Ihren Wunschtext schnell und einfach selbst beauftragen – und das zu Top-Konditionen.

Jetzt kostenlos registrieren!

Autoren

Tausende Autoren weltweit verdienen beim Pionier unter den Textbörsen Geld mit ihren Texten. Sie entscheiden selbst, wann und wie viel sie schreiben und können sich ein flexibles Einkommen sichern. Erfahren Sie hier, wie Sie Ihre Texte zu Geld machen.

Jetzt kostenlos registrieren!