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Autor des Monats Mai 2019: Graf Wort

Der Pfad unseres neuen Autors des Monats führte ihn auf Umwegen zum Schreiben: Wie es ihn vom Studium der Chemie zu Textbroker verschlug, erzählt der 5-Sterne-Texter Graf Wort uns hier.

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Graf Wort schreibt nicht nur in der Stufe 5 humorvolle und informative Texte über die verschiedensten Themen, er ist auch als Editor im Managed Service unterwegs. Dabei helfen ihm seine Erfahrungen als Autor immens weiter. Was ihn neben dem Reenactment, seiner Liebe zur Literatur und dem eigenen Garten sonst noch umtreibt und wie ihm seine Französische Bulldogge beim Korrektorat der eigenen Texte hilft, verrät er in diesem Interview.

Erzähle uns etwas über dich. Berichte gerne darüber, was du abgesehen vom Schreiben gerne machst, welche Hobbys du hast usw.

 
Im Grunde lebe ich nach der alten philosophischen Devise: 24 hours isn`t enough. Flying Horse. Die 25. Stunde. Nur, dass ich keine koffeinhaltigen Getränke trinke, sondern lieber dann und wann ein Glas Riesling anarchie von Florian Weingart (ich empfehle mindestens zwei Jahre Flaschenreife). Dazu lese ich wahlweise Christian Kracht (Tipp und persönliches Fernziel: Ferien für immer), die Autobiographie von Harald Schmidt oder die Werke bedeutender schreibender Naturwissenschaftler, interessanterweise in der Spanne von Ernst Jünger bis Thomas Pynchon. Letztlich habe ich allerdings selten Zeit für Müßiggang, denn im vergangenen Jahr habe ich der Natur allein mit dem Spaten 300 Quadratmeter Land abgetrotzt (seitdem trage ich Vollbart) und bestelle es mit allerlei Pflanzen, um mich am Gedeihen der Kulturlandschaft zu erfreuen. Das Gedeihen wiederum erfordert regelmäßigen Körpereinsatz, den ich in Demut vor dem Wetter und der Umwelt erbringe. Ab und an fange ich auch einen Fisch.
 
Früher war ich übrigens als Reenactor unterwegs, um das Geheimnis um meinen Namen zu lüften. In Anbetracht meiner Freude an Mathematik hätte ich mich auch Graf Zahl nennen können, aber den gibt es ja schon. So, wo war ich? Lesen, Garten, angeln, Mathe – ach ja: Ich kaufe sehr gerne ein. Nicht im Sinne eines ungezügelten Konsumverhaltens, ich bin einfach gerne in schönen Lebensmittelgeschäften. Wenn ich es nicht aus dem eigenen Garten dahabe, kaufe ich sogar etwas. Im Anschluss koche ich sehr gerne – mit viel Freude auch in Gesellschaft. Ganz neu ist der Hund, zu dem ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen bin und der mich seit gut einem halben Jahr begleitet. Die Französische Bulldogge liest dankenswerterweise auch viele meiner Texte Korrektur (wie es scheint am liebsten in der Originaldatei). Zu dritt (mit meiner Freundin) gehen wir gerne wandern. Ansonsten müsste freilich auch bei mir immer Musik da sein, da bin ich der klassische Indie-Vogel.
 
Und hätte ich nur einmal die Wahl: Ich würde nie wieder schlafen gehen.

Wie sieht deine ideale Arbeitsumgebung beim Schreiben aus? Was hilft dir bei der Konzentration?

 
Als Naturwissenschaftler habe ich eine ziemlich konkrete Vorstellung von Idealbedingungen: 295,15 K Raumtemperatur, Südlage, Blick auf das letzte echte Mittelgebirge vor der Norddeutschen Tiefebene, Schreibtisch, Eames Chair, durchs offene Fenster ein leichter Wind und so ein Ding, das die Gedanken direkt aus dem Kopf aufs Papier bringt (also ohne Tippen, ohne Tippfehler etc.). Real sieht das alles ganz anders aus, da stimmt nur ab und an die Temperatur. Ansonsten schreibe ich so ziemlich überall, wo mein Laptop gerade ist: im Garten, im Wohnzimmer, im Auto, in der Bahn. Die Sache mit der Konzentration ist nicht so einfach. Die besten Ideen habe ich eigentlich immer dann, wenn ich die Gedanken schweifen lasse. Problem: Das verlängert die Arbeitszeit. Daher versuche ich, einen Mittelweg zu finden. Konzentration auf einfache Texte, die dadurch schnell fertig sind. Mit der nötigen Muße dann DirectOrders. Ich vermeide Gesellschaft.

Du arbeitest nicht nur als Autor, sondern bist auch extern als Editor und sogar für Sonderaufgaben als Projektmanager aktiv. Wie bringst du all diese Tätigkeiten unter einen Hut?

 
Ich habe nun Chemie, Philosophie (ein Seminar Wissenschaftstheorie), Juristerei (Rechtskunde für Chemiker) und leider auch Theologie (lose Gesprächsrunde „Gott und die Welt“ in der CampusCneipe) durchaus mit heißem Bemühen studiert und muss sagen – für Textbroker ist das alles ganz nützlich, zum Beispiel in Bezug auf Struktur, Logik und Arbeiten nach Briefingvorgaben.
 
Ansonsten befruchten sich die einzelnen Bereiche eigentlich sehr gut gegenseitig. Als Editor hilft es mir, selbst Autor zu sein. So sehe ich mir jedes Briefing zuerst einmal an und überlege, wie ich es umsetzen würde. Dabei stoße ich dann hin und wieder auf Punkte, die ich für sehr schwer realisierbar halte. Die Autoren machen es dann entweder besser und ich freue mich über das Ergebnis oder es fällt ihnen auch schwer – dann gebe ich eine entsprechende Rückmeldung. Wenn mal eine Formulierung nicht so passt, habe ich zum Glück meist genug Ideen, um sie auszubessern – und das zeigt meine Erfahrung: Manchmal ist es verdammt schwer, eine schiefe Wortwahl zu erkennen. Daher wünsche ich mir so manches Mal einen Editor, der meine Texte aus dem SelfService lektoriert, denn als Editor habe ich auch erkannt, wie wichtig den Kunden die genaue Umsetzung des Briefings ist. Das habe ich früher als Autor nicht immer eingesehen – die Beweggründe sind mir aber mittlerweile klar. Dadurch habe ich aber auch das Selbstbewusstsein, Auftraggebern ungefragt Verbesserungsvorschläge für das Briefing zu unterbreiten. Am liebsten sind mir ohnehin die Aufträge, die nur aus einem Titel oder zwei Sätzen bestehen. Das gibt mir die Freiheit, einen Text so zu gestalten, wie ich ihn für optimal halte. So ähnlich ist die Herausforderung dann auch im Projektmanagement. Hier versuche ich, die Wünsche der Auftraggeber und die Machbarkeit in Einklang zu bringen – idealerweise verpackt in einem präzisen, freundlichen und perfekten Briefing. Na ja, daran arbeite ich noch.
 
Übrigens: Manche Texte von Kollegen hier sind so stark, dass ich mich regelmäßig sehr darauf freue, sie zu lesen. Schade, dass es keine jährliche Top 10 gibt – das ist wohl aus rechtlichen Gründen nicht möglich? Aber ein paar Texte von Autoren für Autoren fände ich schon spannend.

Worauf sollte man achten, um sich bei so vielen und verschiedenen Aufgaben nicht zu verzetteln?

 
Das würde ich gerne als 350-W-Auftrag einstellen, denn dafür hätte ich auch gerne ein Patentrezept. Mir kommt es sicher entgegen, dass ich gerne an allen Enden gleichzeitig arbeite. Morgens Urlaub am Scharmützelsee, mittags im Baumarkt und abends im Gebrauchtsoftware-Verkaufsseminar – das ist so meine Welt (selbstverständlich alles in Gedanken). An guten Tagen wechsele ich auch zwischen den Aufträgen und hole mir von meinem romantischen Ich Inspirationen für den Techniker in mir. Im Grunde kann ich das aber nur bedingt empfehlen.

Wie bist du überhaupt zu Textbroker gekommen und was motiviert dich dazu, für uns zu schreiben? Wie bist du von deinem Beruf zum Schreiben gekommen?

 
Puh, das ist eine ziemlich lange Geschichte und die geht so:
 
Am Anfang war das Wort und das Wort war „Expedition“ – sicher gefolgt von gutgemeinten Ratschlägen und Terminen. Von alledem wollte ich in meinem jugendlichen Leichtsinn jedoch nichts wissen und stand alsbald mit kaum mehr als einem Paar Sandalen und einem wärmenden Gehrock inmitten einer felsigen Landschaft, irgendwo außerhalb von Ägypten. Zwar hatte ich mir geschworen, meine Füße nicht ohne professionelle Reiseleitung in ein unbekanntes Gebirge zu setzen, aber andererseits lockte mich der verheißungsvolle Ruf eines Sonnenaufgangs vom höchsten Gipfel – also ging ich los. Selbstverständlich kam es dann, wie es kommen musste: Der Weg nach oben war furchtbar steinig und beschwerlich und alsbald brach die kühle Nacht über mich herein. Es war schon ziemlich dunkel, als ich über schmale Pfade weiterging und da war sie plötzlich: eine kleine Höhle, aus der das Licht noch auf den (kaum sichtbar in den Fels geschlagenen) Gehsteig schien. Vorsichtig lugte ich hinein und erblickte einen älteren, hageren, bärtigen, wohl aber freundlichen und in sich ruhenden Mann. Als er mich sah, lud er mich ein und schenkte mir – zu meinem Erstaunen – Löwenzahnwein in einen üppigen Kelch. Zwar wäre mir eine herzhafte Mahlzeit lieber gewesen, aber ich wollte selbstverständlich als Gast keine Forderungen stellen und so gesellte ich mich zu ihm ans Feuer und es wurde noch ein gemütlicher Abend.
 
Des Nachts jedoch verfolgten mich seltsame Träume: Ich befand mich noch immer in der Höhle, als die Wände zunächst zu schimmern begannen, Grau zu Rot zu Weiß zu Licht wurde und schließlich der gesamte Raum von einem kaum fassbaren Leuchten ergriffen war. Hinter dieser interessanten, aber auch verstörenden und beängstigenden Erscheinung ertönte sodann eine tiefe Stimme aus dem Off. Wer von uns für das Heute verantwortlich sei und wer die Zukunft sehen wolle. Ich war viel zu sehr beeindruckt, um zu antworten, und war froh, dass mein Nachbar sich für die Gegenwart entschied. Darauf bekam er eine reichlich lange Liste mit Imperativen diktiert und es begann wohl schon zu dämmern, als er das letzte Wort in Stein gemeißelt hatte. Noch im Entschwinden rief die Stimme einzelne Wörter und Phrasen, die ich nie gehört hatte und deren Sprache ich nicht verstand, in den Raum: Search Engine Optimization, Unique Content, Corporate Language, Keywords, WDF Sternchen IDF – das sind die Themen der Zukunft. Seltsame Geschichte.
 
Als ich erwachte, war alles verschwunden und nur das schwach glimmende, verkohlte Holz zeugte davon, dass außer mir jemand hier gewesen war. Ich fühlte nach meiner geschwollenen Zunge, schüttelte mich kräftig und beschloss, nie wieder zum Löwenzahnwein zu greifen. Die folgenden Jahre vergingen im Prinzip, ohne dass ich jemals wieder von einem der Wörter hörte, vielmehr wurde die Erinnerung immer schwächer und schemenhafter. Überhaupt machte ich mir wenig Gedanken über die Zukunft, was schließlich dazu führte, dass ich dem Kamin in kalten Winternächten die Wärme zu schenken versuchte, die er mir eigentlich geben sollte. Als ich eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand ich zu allem Überfluss auch noch kälteliebendes Ungeziefer unter meinem Bett und beschloss: So konnte es nicht weitergehen. Unwillig, das Haus zu verlassen, setzte ich mich an den Laptop und googelte das Naheliegende: Geld verdienen im Internet. Weil ich weder am Telefon arbeiten noch mit Umfragen reich werden wollte, ergänzte ich die Anfrage um eine qualifizierende Tätigkeit, die ich mir zutraute: Geld im Internet mit Schreiben verdienen. Und da war es plötzlich wieder: Search Engine Optimization, Unique Content, Corporate Language, Keywords, WDF Sternchen IDF. Textbroker. Ich hatte meine Erfüllung gefunden.



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Kommentare

Volker Schäfer 13. Mai 2019 - 10:48

Das ist ja wieder einmal ein spannendes Interview.

Ein toller Autor der, wie man schon in diesem Text sieht, wirklich gut formulieren kann.

Und das mit dem Garten bestellen möchte ich heuer, da ich jetzt endlich nur mehr von zuhause aus arbeite, auch wieder angehen. Das ist für mich so ein schöner Ausgleich zu der vielen Computerarbeit.

Liebe Grüße

Volker Schäfer

Antworten

grafwort 16. Juni 2019 - 12:58

Vielen Dank für das Lob. Ich hatte viel Freude bei der Beantwortung und hoffe, dass davon ein wenig rüberkommt.

Viel Erfolg und ebenfalls Freude im Garten! In Österreich (?) gibt es ja viele gute Böden.

Beste Grüße

Antworten

Arno 30. Mai 2019 - 22:04

Ein spannendes Interview, wie immer. Danke!

LG,
Arno

Antworten

Andy 9. Juni 2019 - 20:17

stimme voll zu , toll gemacht

Antworten

grafwort 16. Juni 2019 - 13:00

Danke und an dieser Stelle auch von mir Dank und Lob an die Textbroker-Redaktion!

Antworten

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