Lieber Textbroker-Autor,
Es gibt vielerlei Arten sich die Zeit zu vertreiben. Sie haben sich dazu entschieden,
Texte zu schreiben. Damit machen Sie Zeit zu Geld und unterstehen einem Zeitlimit.
Wer schon einmal kurzfristig einen Auftrag angenommen hat, steht schnell unter
Zeitdruck, doch der Lohn kommt genau zum richtigen Zeitpunkt. Alle diese Begriffe
sind uns wohl vertraut, doch was ist eigentlich eine Zeitenfolge und wie sollte sie
aussehen? Sie möchten mehr wissen über Vorzeitigkeit, Nachzeitigkeit und Gleichzeitigkeit
ohne fragwürdige Literatur zu bemühen? Dann nehmen Sie sich am besten jetzt ein wenig Zeit,
für die folgenden Erläuterungen...denn Eines können Sie nicht: Die Zeit totschlagen!
Generell gibt es drei Zeitstufen: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Weiter
unterscheidet man zwischen drei möglichen Zeitverhältnissen: Gleichzeitigkeit,
Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit. Um diese Zeitverhältnisse ausdrücken zu können,
verwendet man die verschiedenen Tempora. Im Deutschen sind dies: Plusquamperfekt,
Präteritum, Perfekt (Zeiten der Vergangenheit), Präsens sowie Futur I und II
(Zeiten der Nicht-Vergangenheit).
Im Prinzip gibt es im Deutschen keine obligatorische Folge der Zeiten in aufeinanderfolgenden Sätzen. Bei von einem Hauptsatz abhängigen Nebensätzen gibt es aber Varianten, die gegenüber anderen stilistisch vorzuziehen sind. Nur wenige Kombinationen sind unzulässig, diese sind in den Beispielen mit einem Sternchen (*) versehen.
Gleichzeitigkeit
Wenn sich das Geschehen im Haupt- und im Nebensatz zur gleichen Zeit vollzieht,
sollte i.d.R. auch in beiden Sätzen das gleiche Tempus benutzt werden. Die
Verwendung verschiedener Tempora ist aber auch möglich, solange sie der gleichen
Zeitstufe entsprechen, also entweder beide Zeiten in der Vergangenheit oder der
Nicht-Vergangenheit stehen.
Beispiel:
- Da es stürmt, sichere ich meinen Text doppelt. (Präsens + Präsens)
- Da es stürmte, sicherte ich meinen Text doppelt. (Präteritum + Präteritum)
- Ich habe weiter geschrieben, während es gestürmt hat. (Perfekt + Perfekt)
- Da es stürmte, habe ich meinen Text doppelt gesichert. (Präteritum + Perfekt)
NICHT:
- *Wenn es stürmte, sichere ich meinen Text doppelt.
- *Es hat gestürmt, während ich weiter schreiben werde.
Vorzeitigkeit
Wenn man ausdrücken möchte, dass sich das Geschehen im Nebensatz (NS) vor dem Geschehen im Hauptsatz (HS) ereignet, darf man das Plusquamperfekt nicht im Hauptsatz verwenden, sondern nur im Nebensatz.
- Ich verstand die Regel besser, nachdem ich den Newsletter gelesen hatte.
- *Ich hatte die Regel besser verstanden, nachdem ich den Newsletter las.
HS Präsens > NS Perfekt:
- Ich bin nicht mehr unsicher, weil ich die Regel nachgeschaut habe.
- Ich habe die Bewertung besser verstanden, nachdem ich die Anmerkung gelesen hatte.
- Ich werde ein guter Autor sein, wenn ich die Hilfestellung annehme.
- Ich werde ein guter Autor sein, wenn ich die Hilfestellung angenommen habe.
Nachzeitigkeit
Wenn sich das Geschehen im Nebensatz nach dem Geschehen im Hauptsatz vollzieht, gelten die gleichen Empfehlungen wie bei der Gleichzeitigkeit bzw. die umgekehrte Zeitenfolge wie bei der Vorzeitigkeit:
- Bevor ich den Text abschicke, lese ich ihn aufmerksam durch. (Präsens + Präsens)
- Bevor ich den Text abschicke, werde ich ihn aufmerksam durchlesen. (Präsens + Futur I)
- Bevor ich den Text abschickte, las ich ihn aufmerksam durch (Präteritum + Präteritum)
- Bevor ich den Text abschickte, hatte ich ihn aufmerksam durchgelesen. (Präteritum + Plusquamperfekt)
- Bevor ich den Text abgeschickt hatte, hatte ich ihn aufmerksam durchgelesen.
- Bevor ich den Text abgeschickt habe, habe ich ihn aufmerksam durchgelesen.



